Wie aussagekräftig sind Blutwerte in der Pferdefütterung?

In den sozialen Netzwerken taucht immer wieder die Frage auf: Wie kann ich eigentlich feststellen, ob mein Pferd optimal mit Nährstoffen versorgt ist? Wie erkenne ich Mangelzustände frühzeitig? Wie kann ich dafür sorgen, dass es meinem Pferd an nichts fehlt? Häufig lautet die Antwort: „Mach ein Blutbild“. Doch helfen Blutbilder tatsächlich, eine Unter- oder Überversorgung von Nährstoffen aufzudecken?

Sicher ist ein Blutbild sinnvoll, wenn das Pferd Krankheitssymptome zeigt, die sich nicht zweifelsfrei einer Erkrankung zuordnen lassen, oder wenn der Tierarzt einen Krankheitsverdacht bestätigen möchte. Viele Krankheiten lassen sich mithilfe eines Blutbildes erkennen, darunter auch Erkrankungen, die durch eine fehlerhafte Fütterung verursacht wurden. Doch wieviel Sinn macht die Blutprobe zur Analyse der Fütterung? Was kann hier wirklich festgestellt werden und welche Parameter führen mich eventuell sogar in die Irre?

Das kleine Blutbild

Um herauszufinden, ob Blutbilder uns tatsächlich Anhaltspunkte zur Qualität unserer Fütterung geben können, müssen wir zunächst einmal die einzelnen Parameter des Blutbildes beleuchten und verstehen, was da eigentlich untersucht wird und was der einzelne Wert dem Tierarzt sagen kann.

Beginnen wir zunächst mit dem sog. „kleinen Blutbild“. Dieses gibt dem Tierarzt Aufschluss darüber, ob das Immunsystem und die Infektabwehr des Pferdes angeschlagen ist. Das kleine Blutbild ist Bestandteil vieler Routineuntersuchungen und gilt als erste Orientierung oder als Verlaufskontrolle bei vielen Krankheiten. Es ist allerdings wichtig, dass die einzelnen Blut-Parameter immer im Zusammenhang miteinander und mit den Symptomen des Pferdes gedeutet werden. Ein einzelner abweichender Wert sagt nichts über den Gesundheitszustand des Tieres aus. 

Für das kleine Blutbild werden im Labor folgende Werte gemessen:

  • Erythrozyten: Anhand der Menge der roten Blutkörperchen im Blut, bekommt der Tierarzt Aufschluss darüber,  wie gut die Sauerstoffversorgung über das Blut funktioniert. Erythrozyten sind rot, weil sie den roten Blutstoff Hämoglobin enthalten, der den Sauerstoff bindet. Sind weniger rote Blutkörperchen vorhanden, deutet das auf eine Anämie hin, z.B. durch Blutverlust bei Wunden oder inneren Blutungen. Für die Fütterung ist dieser Wert interessant, weil er tatsächlich einen Eisenmangel belegen kann und Aufschluss darüber gibt, ob der Wasserhaushalt des Körpers in Ordnung ist (ein niedriger Wert kann auf eine Herzschwäche oder eine Nierenerkrankung hinweisen). Sind die Werte erhöht, bedeutet das, dass das Blut dickflüssiger ist und damit schlechter fließt. Das kann durch Herzkrankheiten, Tumore aber auch durch Sauerstoffmangel hervorgerufen werden.
  • Leukozyten: Der Tierarzt stellt anhand dieses Wertes fest, wie hoch die Anzahl der weißen Blutkörperchen ist. Eine erhöhte Anzahl zeigt Entzündungen (auch Allergien) oder Infektionen an. Sind zu wenige vorhanden, deutet das auf Vergiftungen oder Virusinfektionen hin. Dieser Wert kann also Aufschluss darüber geben, ob das Pferd etwas Giftiges gefressen hat.
  • Thrombozyten: Die Anzahl der Blutplättchen, die an der Blutgerinnung beteiligt sind, zeigt dem Tierarzt, ob das Pferd eine verstärkte Blutungsneigung hat. Das wäre der Fall, wenn zu wenig Thrombozyten vorhanden sind. Ist der Thrombozyten-Wert verändert kann das auch auf einen Infekt hindeuten. Ein zu hoher Wert deutet auf verschiedene Erkrankungen hin.
  • Hämatokrit: Der Anteil aller festen Blutbestandteile (rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen) im Gesamtbild zeigt dem Tierarzt, wie flüssig das Blut ist und klärt ihn darüber auf, wie die einzelnen Blutbestandteile zueinander im Verhältnis stehen. Der Hämatokritwert ist bei starkem Verlust von Flüssigkeit erhöht. Das liegt daran, dass der Flüssigkeitsanteil des Blutes durch den Flüssigkeitsverlust bei z.B. Durchfall oder starkem Schwitzen, sinkt. Der Anteil der Blutbestandteile steigt dadurch automatisch.  
  • Hämoglobin: Der Anteil des roten Blutfarbstoffes als Bestandteil der Erythrozyten zeigt dem Tierarzt, wie gut der Körper Sauerstoff in die Zellen transportieren kann. Hämoglobin sorgt für die Verteilung des Sauerstoffs im Körper. Sind hier niedrigere oder höhere Werte zu finden, kann das auf verschiedene Erkrankungen hindeuten. 
  • MCV: Dieser Wert zeigt dem Tierarzt das durchschnittliche Volumen eines roten Blutkörperchens an. Er ist durchaus interessant für die Aufdeckung von Fütterungsmängeln. Ist er erhöht, kann das auf Leberprobleme oder Mangelernährung (es fehlen dann insbesondere Vitamin B12 und Polsäure) hindeuten. Ist der MCV-Wert zu niedrig, kann das auf einen Eisen-, Kupfer- oder Vitamin B6- Mangel hindeuten.
  • MCH: Dieser Wert zeigt dem Tierarzt den durchschnittlichen Hämoglobingehalt der roten Blutkörperchen an
  • MCHC: Dieser Wert zeigt dem Tirarzt die durchschnittliche Hämoglobinmenge eines einzelnen Erythrozyten an.

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Das große Blutbild

Zeigt das Pferd Symptome wie Fressunlust, Lahmheiten, Konditionsmangel oder andere unspezifische Symptome wird der Tierarzt genau wie bei offensichtlich chronischen Erkrankungen ein großes Blutbild, das auch Differentialblutbild genannt wird, erstellen lassen. Neben dem kleinen Blutbild analysiert das Labor hierfür auch weitere Parameter. Dabei werden die weißen Blutzellen in Untergruppen und Reifungsstufen unterteilt. Einige von ihnen können auch Aufschluss über eine fehlerhafte Ernährung geben.

  • Neutrophile Granulozyten: Sie gehören zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und sind für die unspezifische Abwehr von Infektionen mit Pilzen oder Bakterien verantwortlich. Außerdem sind sie bei Entzündungsgeschehen beteiligt und wehren Keime ab. Die Zellkerne von jungen Granulozyten sehen anders aus (stabkernig), als reife Granulozyten (segmentkernig). Befinden sich vermehrt reife Granulozyten im Blut, bedeutet dass, das die Blutzellproduktion durch irgendeine Ursache gehemmt ist. Für das Blutbild wird sowohl die Menge der stabkernigen als auch die der segmentkernigen Granulozyten gemessen.
  • Lymphozyten: Sie gehören ebenfalls zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Etwa 25 bis 40 % der Leukozyten sind Lymphozyten. Sie gehören um adaptiven Immunsystem und werden für die Abwehr von Krankheitserregern gebraucht. Ihre Hauptaufgabe ist die Erkennung von Fremdkörpern und deren Bekämpfung. Ein zu hoher Wert kann auf Infektionen, Entzündungen, Allergien und chronische Krankheiten hindeuten. Ein niedriger Wert kann z.B. durch einen erhöhten Cortisol-Spiegel (bei Stress, bei längerer Behandlung mit Kortison oder bei Cushing) oder durch Auto-Immunerkrankungen verursacht werden.
  • Monozyten: Sie gehören ebenfalls zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Etwa 3-7 % der weißen Blutkörperchen sind Monozyten. Sie sind die Vorstufe der so. Makrophagen. Umgangssprachlich nennt man diese Zellen auch „Freßzellen.“ Sie fressen Bakterien oder körperfremde Strukturen.
  • Eosinophile Granulozyten: Sie werden auch Eosinophile oder einfach „EOS“ genannt und gehören ebenfalls zu den Leukozyten. Mit einem Anteil von 1–5 % der Zellen im Differentialblutbild sind auch sie an der Immunabwehr beteilig. Da Eosinophile Granulozyten vor allem für die Abwehr von Parasiten (z.B. Würmer) und anderen Schädlingen zuständig sind, kann ein Anstieg ihrer Anzahl im Blut durch einen starken Wurmbefall oder chronischen Erkrankungen (Allergie/Sommerekzem) verursacht werden.
  • Basophile Granulozyten: Auch sie gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind Bestandteil der körpereigenen Immunabwehr. Ihre Anzahl im Blut wird bestimmt, wenn der Verdacht auf bestimmte Infektionen oder Parasiten besteht. Sie sind vermehrt im Blut nachzuweisen bei allergischen Reaktionen oder Darmerkrankungen (z.B. Kolik). Der Verdacht auf einen Vitamin-B12- oder Folsäure-Mangel kann mit Hilfe dieses Wertes erhärtet werden. Die Zahl der basophilen Granulozyten ist dann vermindert, weil ihre Reifung gestört ist.
  • Alkalische Phosphatase (AP, ALP): Dieses Enzym ist für einen flotten Ablauf des Stoffwechselgeschehens verantwortlich. Es ist insbesondere in den Knochenzellen und im Lebergewebe zu finden. Die Konzentration der alkalischen Phosphatase im Blut wird vor allem dann bestimmt, wenn der Arzt den Verdacht auf eine Knochen- oder Lebererkrankung hat. Die alkalische Phosphatase ist nur selten zu niedrig (Schilddrüsenunterfunktion, Anämie, gestörter Kupferstoffwechsel). U.a. bei Lebererkrankungen, Knochenerkrankungen, bestimmten Nierenerkrankungen, Vitamin-D-Mangel und beim Cushing-Syndrom kann dieser Wert erhöht sein. 
  • AST (GOT): Auch ein Enzym, das an wichtigen Stoffwechselprozessen beteiligt ist. Es ist vor allem in Herz, Skelett und Leber zu finden und ein erhöhter oder verminderter Anteil dieses Enzyms im Blut lässt auf Erkrankungen in diesem Bereich schließen. Der Wert gibt auch Aufschluss über eine fehlerhafte Ernährung: Er weist gemeinsam mit Bilirubin und Gamma-GT auf Leberprobleme hin und kann ein Anzeiger für Hufrehe sein. Auch Parasiten oder Stress können den Wert abweichen lassen. 
  • Gamma GT: Auch hierbei handelt es sich um ein Enzym, das für Stoffwechselprozesse von Bedeutung ist. Da das Vorkommen dieses Enzyms sehr stark von Veränderungen im Körper beeinflussbar ist, ist der Gamma GT Wert ein sehr guter und sensibel Indikator für Erkrankungen.
  • GLDH: Ist dieser Wert erhöht, deutet das auf einen schweren Leberschaden hin, z.B. durch Vergiftungen
  • Bilirubin gesamt: Dies ist das Abbauprodukt von Hämoglobin und hat damit keine Funktion für den Körper. Eine Anlagerung in der Haut zeigt sich als so genannte Gelbsucht. Der Normalwert liegt bei bis zu 3,1 mg/dl. Bilirubin wird über die Leber abgebaut und über den Darm ausgeschieden. Ein erhöhter Wert deutet daher auf eine Lebererkrankung hin.
  • LDH: Auch ein Enzym. Die sogenannte Lactatdehydrogenase kommt in besonders hoher Konzentration in der Herz- und Skelettmuskulatur, in der Leber, in Erythrozyten und Thrombozyten vor. LDH  ist erhöht im Blut vorhanden, bei einem ungewöhnlich starken Absterben von Zellen.
  • CK-NAC : Die sogenannte Creatin-Kinase ist in allen Muskeln und im Gehirn vorhanden. Bei  Muskelerkrankungen ist dieser Wert gemeinsam mit dem AST/GOT Wert erhöht.
  • Gesamteiweiß: An diesem Wert lässt sich der Eiweißanteil des Blutes ablesen. Der Eiweißwert ist niedrig, wenn das Pferd nicht ausreichend Eiweiß über das Futter aufnimmt. Bei starkem Flüssigkeitsverlust (Durchfall, Schwitzen, Blutverlust), Unterernährung oder bei einer Erkrankung der Nieren, der Leber oder der Haut (Dermatitis) kann dieser Wert ebenfalls sinken. Auch bei chronischen Darm- oder Lebererkrankungen oder Proteinverlusten durch Proteinurie (Hinweis auf Nierenerkrankung, zu viel Proteine werden über den Urin ausgeschwemmt) ist der Wert niedriger als der Referenzbereich. Ein erhöhter Eiweißwert deutet dagegen auf eine chronische Infektionskrankheit hin.
  • Glukose: Mit Hilfe dieses Wertes kann der Tierarzt feststellen, wie hoch der Zuckerspiegel im Blut ist Ist der Wert erhöht kann eine Stoffwechselerkrankung dahinter stecken. Aber auch Stress oder einfach nur zu hohes Gewicht können dazu führen.
  • Albumin: Albumin ist ein Protein, das für eine gleichmäßige Verteilung der Flüssigkeit im Blut sorgt. Der Albumin-Wert ist bei einem Proteinmangel, bei Infektionen oder bei vermehrter Protein-Ausscheidung geringer als der Referenzbereich. Deswegen ist der Wert auch bei Unterernährung oder Lebererkrankungen niedrig. Bei einer Dehydration ist er erhöht.

Kommen wir nun zu den Mineralien und Spurenelementen, die bei einem großen Blutbild überprüft werden:

  • Kalium: Gehört zu den Mineralien und Elektrolyten. Kalium hat verschiedene Aufgaben im Körper. Dazu gehören die Regelung des Blutdruckes, das Weiterleiten von Nervenimpulsen, sowie die Regulierung der Muskelarbeit und des Herzrhythmus. Gerade bei Sportpferden muss dieser Wert Beachtung finden, da sie einen erhöhten Kaliumbedarf haben. Ein erhöhter Wert deutet auf: Azidose, Urämie, hyperkaliämische periodische Paralyse oder auch Hämolyse hin.
  • Kalzium: Ist der Wert dieses Mineralstoffes im Blutbild erhöht, weist das auf einen Nierenschaden oder einen Tumor hin. Außerdem kann eine Überdosierung von Vitamin D zu einem signifikanten Anstieg des Kakziumwertes führen. Auch kann es sein, dass das Futter zu kalziumhaltig ist. Ist zu wenig Kalzium im Blut , kann das auf eine Tetanie hinweisen. Dabei ist die Motorik des Pferdes gestört und Nerven und Muskeln sind übererregbar bis hin zum schmerzhaften Muskelkrampf.
  • Magnesium: Magnesium gehört zu den Elektrolyten. Es wird vor allem von den Muskeln benötigt und ist an der Weiterleitung von Impulsen über die Nerven beteiligt. Magnesium ist außerdem ein wichtiges Mineral für einen ausgeglichenen Blutdruck. Magnesium kann im Knochen gespeichert werden. Schwitzt das Pferd, erhöht sich sein Magnesiumbedarf. Überschüssiges Magnesium wird über die Nieren ausgeschieden. Bei einem Magnesiummangel kommt es zu Symptomen wie Muskelkrämpfen, Muskelzittern, Schreckhaftigkeit und erhöhte Stressanfälligkeit. Außerdem können Koliken, Verdauungsprobleme und angelaufene Beine sowie eine erhöhte Atemfrequenz durch einem Magnesiummangel ausgelöst werden.  Ein langzeitiger Magnesium-Überschuss kann eine Niereninsuffizienz, sowie ein gesteigertes Risiko von Harn- oder Darmsteinen verursachen.
  • Chlorid Phosphat anorganisch: Der Phosphat- und der Kalziumspiegel bedingen sich gegenseitig. Ein Kalziumspiegel außerhalb des Normalwertes, sorgt meist auch für einen veränderten Phosphatspiegel. Ist der Phosphatwert im Blut erhöht, kann das auf eine Erkrankung der Niere schließen lassen. Außerdem kann er durch eine Vitamin-D-Vergiftung oder zu viel Anstrengung verursacht werden. Ist der Wert erniedrigt, zeigt das Pferd meist Mangelsymptome und Durchfall.
  • Eisen: Auch Eisen ist ein Elektrolyt, gehört aber zu den Spurenelementen. Es bindet Sauerstoff an die roten Blutkörperchen. Ein Eisenmangel kann schwerwiegende Folgen haben, kommt aber eher selten vor. Vielmehr nehmen Pferde über das Heu große Mengen an Eisen auf, was eher zu einem Überschuss führen kann. Ein Eisenüberschuss führt zu Mangelzuständen bei Zink- und Mangan.
  • Selen: Der im Blut festzustellende Seelenspiegel ist nur bedingt aussagekräftig, was den tatsächlichen Seelenbedarf des Pferdes anbetrifft. Da Selen an Entgiftungsreaktionen im Körper beteiligt ist und mit anderen Elementen in Wechselwirkung steht, macht es nicht immer Sinn, einen so festgestellten Mangel durch Zufütterung von Selen ausgleichen zu wollen. Trotzdem sollte bei der Beurteilung des Blutbildes die individuelle Situation und auch die Fütterung des Pferdes berücksichtigt werden. Je mehr das Pferd Giftstoffen ausgesetzt ist, die es abbauen muss, desto mehr Selen wird verbraucht. So sorgt z.B. eine hohe Pilzbelastung des Grundfutters für einen erhöhten Seelenbedarf. Pferde die mit hohen Ölgaben gefüttert werden, verbrauchen ebenso wie solche, die hohe Vitamin-E-Beigaben im Mischfutter erhalten, viel Selen. Bei hohen Proteingaben steigt der Bedarf ebenfalls. Dazu kommt, dass in einigen Teilen Deutschlands die Böden seelenarm sind, also auch teilweise nicht ausreichend Selen im Grundfutter vorhanden ist. Pferde benötigen aber nur sehr wenig Selen. Eine Überdosierung mit Selen ist heute wahrscheinlicher als ein Mangel. Ein Seelenmangel im Blut deutet meist auch eher auf ein Ungleichgewicht bei der Versorgung mit den Elementen Zink, Schwefel, Kobalt-, Kupfer oder Mangan hin. Der Seelenspiegel im Blut kann auch durch eine Schwermetalbelastung mit Kadmium oder einen zu hohen Schwefelanteil im Futter erniedrigt sein. Eine Überdosierung von Selen ist giftig. 
  • Zink: Zink ist sehr wichtig für das Immunsystem des Pferdes und ist überdies an vielen Stoffwechselreaktionen beteiligt. Es regt auch die Lymphozytenaktivität an. Der Gegenspieler von Zink ist (Körpereigenes) Cortisol. Ist z.B. durch ein stark zinkhaltiges Mineralfutter zuviel Zink vorhanden, werden verstärkt Kupfer und Eisen abgebaut.Stress sorgt für einen hohen Zinkverbrauch. Ebenso kann zu wenig Zink vorhanden sein, wenn das Pferd zu viel Eiweiß- und/oder Getreide oder Weizenkleie bekommt. Auch bei Infekten wird Zink vermehrt verbraucht. Auf einen Zink-Mangel deuten verschiedene Symptome hin: Dazu gehören Juckreiz, ein geschwächtes Immunsystem, schlechte Wundheilung, Hauterkrankungen und hormonelle Probleme. Wird jedoch zu viel Zink zugefüttert, kann dies zu Magnesium- und Kupfermängeln führen.
  • Mangan: Dieses Spurenelement verbessert die Verwertung von Vit B 1 und ist an vielen Prozessen im Energie-, Mineral- und Fettstoffwechsel beteiligt. Außerdem ist Mangan wichtig für die Funktion der Eierstöcke. Ein Manganmangel kann zu Mangelerscheinungen am Knorpel und zu einem unregelmäßigen Zyklus bei Stuten führen. Sind Zink und Vitamin C gemeinsam mit Mangan im Überschuss, kann dies die Kupfer- und Zinkaufnahme behindern. Ein erhöhter Manganspiegel im Blut kann außerdem auf Leberprobleme hindeuten. Hohe Calciumgaben können einen Manganmangel verursachen.
  • Kupfer: Den größten Teil seines Kupferbedarfs deckt das Pferd normalerweise ausreichend über Heu und Weide. Kupfer fördert die Aufnahme von Eisen und die Verbindung  von Eisen mit dem Hämoglobin. Wenn das Pferd eine zu hohe Menge an Kupfer zu sich nimmt, verursacht dies eine erhöhte Selen-Ausscheidung. Ist der Kupfer-Wert im Blut erhöht, kann das auf eine Schwäche des Immunsystems hindeuten. Allerdings ist auch hier wieder auf Symptome und die individuelle Situation des Pferdes, sowie auf andere Parameter zu achten. Auch ein Manganmangel kann hohe Kupferwerte verursachen. Der Kupferwert ist auch bei Gelenkserkrankunen erhöht. Leberprobleme zeigen sich in einem verringerten Kupferwert im Blut. Kupfer kann vom Pferd in der Leber gelagert und bei Bedarf aktiviert werden.

Ein Blutbild gibt dem Arzt Aufschluss über etliche Parameter des aktuellen IST-Zustandes des Pferdes. Der Tierarzt kann mit Hilfe dieser Parameter erkennen, welche Ursache eine Erkrankung haben könnte. Dabei ist es aber von immenser Bedeutung, dass er die Parameter immer im Zusammenhang betrachtet und auch die Symptome des Pferdes und seine Fütterung und Haltung mit berücksichtigt. Einzelne Parameter eines Blutbildes isoliert betrachtet haben keine Bedeutung für eine seriöse Diagnose. Fragen Sie Ihren Tierarzt ruhig nach den Zusammenhängen und lassen Sie sich das Blutbild Ihres Pferdes erklären. Außerdem sollten sie immer im Hinterkopf haben, dass auch Faktoren wie Stress, Medikamente, körperliche Anstrengungen die Blutparameter beeinflussen. Simples Beispiel: Der ACTH-Wert, der üblicherweise zur Diagnose von Cushing getestet wird, steigt bei Stress oft enorm an. Damit ist eine zuverlässige Testung dieses Wertes nur im heimischen Stall ohne außergewöhnliche Belastungen möglich, da sonst falsch positive erhöhte Werte auftreten können.

Kann mir ein Blutbild bei der Fütterung helfen?

Auf diese Antwort muss man leider mit „Nein“ antworten. Das liegt zum einen daran, dass der Körper des Pferdes versucht, Unterversorgungen möglichst lange zu kompensieren. Bei einigen Elementen reagiert er empfindlicher auf Mängel, bei anderen ist er sehr tolerant. Außerdem sorgen Wechselwirkungen unter den einzelnen Elementen dafür, dass der Mangel eines Elements im Blut eventuell den Mangel eines ganz anderen Elements anzeigt einfach um eine Unterversorgung über den erhöhten Verbrauch eines anderen Elements zu kompensieren. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das Problem nicht behoben ist, wenn das Element, das im Blut nicht ausreichend vorhanden ist, zugeführt wird. Im Gegenteil. Ein solches Vorgehen ist im besten Falle eine Symptombekämpfung, im schlimmsten Fall sorgt sie für eine Verschlechterung der Ausgangssituation.


Quellen:

Pferde fit füttern- Dr Christina Fritz- Cadmos Verlag, barnboox, pferdeleben.de, pharmazeutische-zeitung.de


Text: Agnes Trosse

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