Was muss ich bei der Fütterung von Kräutern beachten?

Die Phytotherapie oder auch Pflanzenheilkunde wird schon seit Jahrtausenden vom Menschen praktiziert und gehört zu den ältesten Therapien medizinischer Art. Kräuter gehören damit zu den pflanzlichen Medikamenten. Ihre Wirkung ist allerdings nicht immer wissenschaftlich nachgewiesen. Doch genau dieser Aspekt ist auch bei der Fütterung von Kräutern an Pferde durchaus zu berücksichtigen. Was sollte ich als Pferdehalter also in jedem Fall wissen und beachten, wenn ich mich für die Fütterung von Kräutern oder Kräutermischungen entscheide?

Zu allererst einmal werden in der Pflanzenheilkunde nur ganze Pflanzen oder Pflanzenteile verwendet. Ganze Pflanzen enthalten immer verschiedene Inhalts-und Wirkstoffe, deren Gehalt sehr stark davon abhängt, unter welchen Bedingungen die einzelne Pflanze aufgewachsen ist. Klima, Standort und der Zeitpunkt der Ernte beeinflussen somit ebenso wie die Trocknung und die Lagerung die Wirksamkeit des Krautes.

Dadurch erklärt sich auch ein großer Unterschied zu synthetisch hergestellten Medikamenten, die aus einzelnen Wirkstoffen willkürlich zusammengesetzt werden können. Die Inhaltsstoffe von Kräutern hingegen sind nur in einem gewissen Maße beeinflussbar. Jede einzelne Pflanze ist also ein Gemisch verschiedener Wirkstoffe. Das ist der Grund warum bei der Fütterung von Kräutern nie mehr als drei bis fünf verschiedene Pflanzen gemeinsam zum Einsatz kommen sollten. Andernfalls läuft man Gefahr, zu viele Wirkstoffe miteinander zu kombinieren. Die Wirkstoffe müssen außerdem auf den Patienten zugeschnitten sein. Es ist also immer ratsam, sich vor der Fütterung von Kräutern oder Kräutermischungen erst einmal von einem Fachmann beraten zu lassen. Die in den Kräutern enthaltenen Stoffe können hochwirksam sein. Zuviel schadet daher eher, als dass es heilt. Orientieren Sie sich also immer am Pferdegewicht füttern Sie immer lieber zu wenig als zu viel.

Eine Phytotherapie ist nicht für die dauerhafte Gabe gedacht. Sie muss als Kur verstanden werden. Eine solche Kur richtet sich immer nach einer Untersuchung und Diagnose des Tierarztes oder Tierheilpraktikers. Ihre Dauer beträgt zwischen sechs Wochen und bei akuten Beschwerden bis zu drei Monaten, bei chronischen Beschwerden bis zu sechs Monaten. Danach sollte eine Pause von drei Monaten einsetzen, damit sich der Organismus nicht an die Kräuter gewöhnt. Ständige Zugaben, wie sie bei chronischen Erkrankungen wie Dämpfigkeit, Erkrankungen des Hufrollenkomplexes, Hufrehe oder KPU erfolgen, sollten auf jeden Fall niedriger dosiert werden und auch hier empfiehlt sich nach etwa 12 Monaten eine Pause.

Die orale Gabe von Heilpflanzen erfolgt frisch oder getrocknet. Man kann Pferden die Kräuter pur füttern oder in einem Mash oder Kleiebrei „verstecken“. Auch als Tee können Kräuter verabreicht werden.

Trocken oder frisch?

Am einfachsten zu verabreichen und aufzubewahren sind getrocknete Pflanzen. Sie sollten immer trocken, kühl und dunkel aufbewahrt werden. Dafür eignen sich Gläser, Blechbüchsen oder spezielle Papierbeutel.

Eine Kräutermischung besteht normalerweise aus Hauptkräutern und Ergänzungskräutern. Sie kann bis zu drei Hauptkräuter enthalten.Hauptkräuter bilden die Grundlage für die Mischung und haben deshalb den größten Anteil an der Mischung. Sie sind normalerweise gut verträglich, ungiftig und haben eine breite und gute Heilwirkung (z.B. Brennesseln, Birkenblätter, o.ä.). Je nachdem was mit der Mischung erreicht werden soll ergänzen sich gegenseitig mit ihren Wirkschwerpunkten. Ergänzungskräuter dienen dazu die Heilwirkung der Mischung zu erweitern. Allerdings werden sie auch eingesetzt, um z.B. den Geschmack zu verbessern oder die Zusammensetzung der Mischung stabil zu machen (Durchmischung). Geschmacksverbessernd wirken allerdings vor allem Kräuter mit einem hohen Anteil an ätherischen Ölen wie z.B. Anis, Fenchel, Melisse, Kamille oder Minze. Kräuter, die die Mischung stabilisieren sollen sorgen dafür, dass sich die leichteren oder kleineren Partikel der Mischung nicht absetzen und die Zusammensetzung sich so nicht entmischt. Es eignen sich dazu vor allem faserreiche oder wollige Pflanzenteile z.B. Buchen- oder Birkenblätter, Himbeerblätter, Salbei o.ä.

Was für Inhaltsstoffe?

Kräuter bestehen aus verschieden Inhaltsstoffen. Diese können in folgende Gruppen eingeteilt werden:

  • ätherische Öle
  • Alkaloide
  • Glykoside
  • Anthracenderivate
  • Bitterstoffe
  • Polysaccharide (Schleimstoffe)
  • anorganische Stoffe
  • Hormone, hormonartige Stoffe
  • Vitamine

Heutzutage gibt es immer mehr Kräuterfuttermischungen, die schon fertig zusammengestellt angeboten werden. Zur Beurteilung der Kräutermischung, prüfen Sie die Inhaltsstoffe darauf, ob sie zu den Beschwerden Ihres Pferdes passt. Fragen Sie auch hier möglichst nach, wenn Sie nicht ganz sicher sind. Stimmen Sie Kräutermischungen auch mit Ihrem Tierarzt ab und achten Sie darauf, dass sie zur restlichen Futterration Ihres Pferdes passen.

Reagiert Ihr Pferd schnell allergisch? Dann sollten Sie Kräuter, die hohe Anteile an ätherischen Ölen enthalten auf jeden Fall vermeiden. Ätherische Öle können Allergien fördern.

Besondere Vorsicht ist bei tragenden Stuten geboten! Bitte füttern Sie Ihrer tragenden Stute keine Kräuter oder Kräutermischungen ohne eine wirklich durchdachte und sachkundige Beratung! Das kann fatale Folgen für Stute und Fohlen haben.

Vor jeder Behandlung sollten Sie die Mischung etwa drei bis vier Tage testen.

Achtung Turnierreiter: Prüfen Sie, bevor Sie Ihrem Turnierpferd Kräuter oder Kräutermischungen füttern, ob diese auf der Dopingliste stehen.

Wie genau einzelne Kräuter wirken und wofür man sie einsetzen kann, lesen Sie in unserem Kräuterlexikon hier im Blog.

Einige Anwendungsmethoden im Überblick:

Pur: Kräuter werden getrocknet oder frisch als Pflanze verabreicht. Getrocknete Kräuter werden am besten mit etwas Wasser angefeuchtet, da sie sonst die Schleimhäute und Atemwege durch kleinere Partikel reizen können.

Infus Aufguss): Kräuter werden mit heißem Wasser übergossen und ziehen gelassen.

Dekokt (Abkochung): Pflanzenteile werden in Wasser angesetzt, dann gekocht. (findet vor allem bei Wurzeln oder kieselsäurehaltigen Pflanzen Anwendung)

Mazerat (Kaltansatz): Pflanzenteile ziehen für eine bestimmte Zeit in kaltem Wasser (zum Beispiel bei schleimstoffhaltigen Pflanzen, da Schleimstoffe hitzeempfindlich sind)

Mischformen: Hierbei werden die Kräuter z.B. mit kaltem Wasser aufgegossen, stehen gelassen und anschließend ausgekocht (Mazerationsdekokt).

Perkolat: Pflanzenteile werden kontinuierlich von Lösungsmittel durchsickert. Diese Vorgehsweise ermöglicht eine vollständige Auslösung von Inhaltsstoffen. Bekanntestes Beispiel: Filterkaffee.

Tinktur: alkoholische Extraktzubereitung (Mazerat in Alkohol)

Urtinktur: Ein wie die Tinktur ebenfalls alkoholischer Auzug, der in der Homöopathie als Ausgangsstufe für die Herstellung homöopathischer Potenzen eingesetzt wird.

Ölauszug: Die Kräuter werden über drei drei bis vier Wochen in einem Öl angesetzt und dann abfiltriert.


Quellen:

  • Naturheilkräuter für Pferde, Claudia Naujoks, Cadmos 2017
  • Das Kräuterhandbuch für Pferde, Claudia Liath, Books on Demand GmbH 2012
  • Pferde gesund und vital durch Heilkräuter, Kaja Kreiselmeier, Müller Rüschlikon 2008
  • Wikipedia
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