Leinsamen

Leinsamen nennt man die besonders fett- und proteinhaltigen Früchte des Flachs. Es gibt gelbe und braune Leinsamen. Dabei handelt es sich nicht um Getreide, sondern um Ölfrüchte. Mit 30% ist der Ölanteil der Frucht recht hoch. Außerdem enthält Leinsamen etwa 20% Proteine. Ernährungswissenschaftler halten die in Leinöl enthaltene Omega-3-Fettsäure Linolensäure für gesundheitsfördernd. Leinsamen sind außerdem ein natürlicher Lieferant für Selen und Vitamin E und sind heute fester Bestandteil von einigen Fertigfuttermitteln sowie von Mash, da die Proteine und Fettsäuren aus Leinsamen für Pferde sehr gut verwertbar sind. Vor dem Füttern werden die Samen meist geschrotet, um ihre harte Schale aufzubrechen und dadurch die Verdaulichkeit noch weiter zu steigern.

Botanischer Name: Linum usitatissimum

Familie: Leingewächse (Linaceae)

Inhaltsstoffe:  Fett (rund 40%) mit überwiegend für das Pferd vorteilhafte essentielle Fettsäuren (davon 30% Öl- und Linolsäure sowie rund 50% Linolensäure. Letztere gehört zu den Omega-3-Fettsäuren), hochwertige Proteine (rund 20%, vor allem die essentielle Aminosäure Lysin mit 10g je kg FS), quellbare Schleimstoffe (die sich unter anderem aus den Zuckern Xylose, Galactose und Galacturonsäure zusammensetzen), Selen (bis 3 mg je kg FS), etwa 25% Ballaststoffe,  in geringen Mengen Lignane und Vitamin E                                                                        

Anwendung:  Werden mehr als 100g Leinsamen verfüttert, sollten sie geschrotet und für 10 Minuten gekocht werden. Das neutralisiert die bei Kontakt mit Feuchtigkeit durch die Aktivität des Enzyms Linase entstehende giftige Blausäure. Wie bei allen Futtermitteln, die gekocht werden müssen, sollten auch Leinsamen abkühlen, damit sich das Pferd nicht verbrennt. Zum Abkochen von 100 Gramm Leinsamen sollte etwa ein halber bis dreiviertel Liter Wasser verwendet werden.

Wichtig: Die im Leinsamen enthaltenen Schleimstoffe nehmen bis zum achtfachen ihres Gewichts an Wasser auf. Allein deswegen sollten einem Großpferd nie mehr als 50-100g am Tag gefüttert werden. Außerdem sind Leinsamen nicht für den täglichen Gebrauch geeignet, sondern für die kurweise Fütterung. Wurde der Leinsamen geschrotet, muss er innerhalb von 24 Stunden verfüttert werden. Er wird sonst ranzig.

Leinsamen2


Wirkungsweise:

  • hilft bei Haut- und Fellproblemen
  • kann die Darmflora regenerieren z.B. nach Koliken
  • die ungesättigten Fettsäuren des Leinsamens sollen Entzündungen vorbeugen
  • Leinsamen sollen stärkend auf das Immunsystem wirken
  • im Fellwechsel als Kur
  • zum Schutz der Magen- und Darmschleimhaut
  • unterstützt den Darm und beugt Verstopfungen vor, ohne dabei stark abführend zu wirken
  • als zusätzliche Kraftfutteraufwertung zur Leistungssteigerung (reich an Proteinen und Energie)

Nebenanzeige: Allergie auf Leinsamen


Fragen zur Fütterung von Leinsamen beim Pferd:

  1. Stimmt es, dass Leinsamen giftig sein können, wenn sie nicht gekocht werden?
    Ja. Leinsamen enthält Linamarin und Lotaustralin. Diese beiden cyanogenen Glykoside werden bei der Verdauung vom Enzym Linase gespalten. Dabei entsteht Glucose, Aceton und Blausäure (sehr giftig!). Leinsamen sollten deshalb vor dem Füttern etwa 10 Minuten gekocht werden. An Fohlen können 50-80g geschrotete, ungekochte Leinsamen verfüttert werden, an ältere Pferde 100-120 g. Bei dieser Dosierung wird nicht so viel Blausäure gebildet, dass es zu einer Vergiftung kommen kann. Bei Aufnahme von 100g Leinsamen wird etwa 20 mg Blausäure freigesetzt.
  2. Gibt es auch Leinsamen, die ich nicht kochen muss?
    Im Futtermittelhandel werden auch Leinsamen für Pferde angeboten, die bereits mit Hitze vorbehandelt wurden. Diese Produkte sind so vorbehandelt, dass sie kein potentiell giftiges Linamarin mehr enthalten. Allerdings ist auch der Anteil an Schleimstoffen geringer als beim unbehandelten Leinsamen. Fertigprodukte dieser Art sind als Kuchen, Pellets oder Pulver erhältlich.  Sie müssen, wenn nicht anders angegeben, nicht mehr gekocht werden.
  3. Was ist der Unterschied zwischen Leinsamen und Leinkuchen? Was ist besser?
    Rückstände der Leinsamen nach der Entfettung bei der Leinölherstellung nennen sich Leinextraktionsschrot oder Leinkuchen. Im Grunde genommen handelt es sich um den Abfall aus der Leinölherstellung. Das Fett wurde ihnen entzogen, sie enthalten nur noch den Protein- und Schleimanteil des Leinsamens und damit auch nur noch deren Vorteile für die Fütterung, diese aber auch unvermindert. Sie sollten wegen des hohen Proteingehaltes nur in geringen Mengen verfüttert werden und nur an Pferde, die einen deutlich erhöhten Proteinbedarf haben. Dazu gehören Zuchtstuten oder Sportpferde in der Saison.
  4. Gibt es Dinge zu beachten bei der Fütterung von Leinsamen?
    Leinsamen kann aufgrund der enthaltenen Schleimstoffe die Aufnahme von Arzneimitteln über den Darm behindern. Ausserdem ist es wichtig dass die ganzen Samen vor der Fütterung geschrotet und gequetscht (aufgebrochen) werden, da ihre Schale die Vertraulichkeit herabsetzt. In aufgebrochenen Samen oxidieren die Fettsäuren und das Vitamin E schnell, weswegen sie nur kurzfristig gelagert werden dürfen.
  5. Welche Tagesdosis Leinsamen ist in der kurweisen Fütterung beim Pferd sinnvoll?
    Es ist sinnvoll maximal 50-100g Leinsamen pro Tag und Großpferd zu verfüttern.                             
  6. Stimmt es dass gelber Leinsamen nicht gekocht werden muss?
    Ob gelb oder braun, es handelt sich um dieselbe Art- nämlich das Linus usitatissimum. Ob nun die Farbe der Samen braun oder gelb ist, hängt davon ab, welche Zuchtsorte vom Hersteller verwendet wurde. Der gelbe und der braune Leinsamen unterscheiden sich aber nicht nur in der Farbe, sondern auch in der Fettsäurenzusammensetzung. Goldleinsamen enthält mehr Linolsäure (Omega 6-Fettsäure) und weniger alpha-Linolensäure (Omega 3-Fettsäure) als braune Sorten. Die Zucht von gelbem Leinsamen zielt aber auch darauf ab, dass sie einen geringeren Gehalt an Linamarin haben und damit tatsächlich weniger Blausäure produzieren als ihre braunen Artverwandten. Dass sie gar keine Blausäure produzieren stimmt aber nicht. Man sollte sich daher an die Fütterungsempfehlungen des Herstellers halten. Der goldene Leinsamen quillt stärker als der braune Leinsamen. Das sollte man bei der Wahl besonders berücksichtigen, denn damit ist der goldene Leinsamen besonders gut zur Stimulation der Peristaltik (z.B. bei Verdauungsproblemen) geeignet.      
  7. Gibt es Futtermittel, die schon Leinsamen enthalten?
    Es gibt Futtermittel, insbesondere Mashs für Pferde, die Leinsamen bereits enthalten. Diese Produkte zielen auf eine harmonisierte Magen- und Darmflora, sowie auf einen erhöhten Energiebedarf ab. Folgende Produkte enthalten Leinsamen: Pavo SummerFit, Agrobs Horse Alpin, Agrobs Struktur Mash, St Hippolyt Irish Mash, Marstall Senior Plus, Mühldorfer 5-Korn-Sensitiv, Mühldorfer Revival Klinikum prebiotic, Horse Fitform Instant Mash, uvm.

Quellen:

Ingolf Bender, Praxishandbuch Pferdefütterung, Kosmos, 4. Auflage 2011

Christina Fritz, Pferde fit füttern, Cadmos, 3. Auflage 2014

Meyer/Coenen, Pferdefütterung, Enke Verlag, 2014, Ebook


Text: Agnes Trosse

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2 thoughts on “Leinsamen

  1. Anne Antworten

    Sehr schöner Artikel 🙂
    Wir füttern unsren zwei Friesen Leinsamen ab und an mal in selbstgemachten Mash oder in selbstgemachten Leckerlies und über den Fellwechsel. Unsere zwei haben tolles Fell und glänzen wahnsinnig, kann es nur jedem Pferdebesitzer empfehlen.

    LG

    1. marvin Antworten

      Hey Anne, vielen Dank für dein Kommentar und alles Gute! 🙂

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