Fütterung von Spezialrassen: Islandpferde

Islandpferde sind kleine, robuste Pferde, die nach ihrer Herkunftsinsel „Island“ benannt wurden. Obwohl sie mit 130-148 cm Stockmaß recht klein sind, können sie dank ihres kräftigen Körperbaus auch von Erwachsenen geritten werden. Eine Besonderheit der kleinen Pferde mit den wuscheligen Mähnen ist, dass sie neben Schritt, Trab und Galopp zwei weitere Gangarten beherrschen: den Tölt und den Pass. Islandpferde werden meist in Offenställen in Gruppen gehalten.

Zur Fütterung von Islandpferden, haben wir die Züchterin und Islandpferdetrainerin Susanne Walter befragt. Sie betreibt auf ihrem „Islandpferdehof zum Wasserfall“ eine Zucht in Weilheim-Rohr. Hier hält sie ihre Tiere in Offenställen und auf grossen Weiden und bietet außerdem Pensionspferdehaltung sowie Aufzucht- und Weideplätze für Islandpferde.


Louven Blog: Frau Walter, was können Sie uns zu der traditionellen Pferdefütterung in Island erzählen?

Susanne Walter: Die Islandpferde werden auf ihrer Heimatinsel mit Heu oder Heulage gefüttert. Da die Landschaft in Island viel karger ist, ist das Futter weniger eiweisshaltig als bei uns. Unsere Wiesen haben eine andere Kräuterzusammensetzung. Das liegt aber auch daran, dass die Wiesen in Deutschland ursprünglich für die Viehwirtschaft genutzt wurden. Dadurch ist die Gräserzusammensetzung nicht so reichhaltig wie bei wild gewachsenen Wiesen. Durch Überweidung sind die Wiesen hierzulande außerdem häufig noch sehr kleereich.

Islandpferde 2

Weiden in Deutschland haben eine andere Gräser- und Kräuterzusammensetzung als die karge Landschaft in Island bietet. Im Frühjahr sollten Islandpferde deshalb nur stundenweise im fetten Grün grasen.

Louven Blog: Es ist relativ schwierig, die Gräserzusammensetzung hier so nachzuahmen, oder?

Susanne Walter: Die Zusammensetzung vom Gras ist natürlich ganz anders. Das kann man nicht nachahmen. Es wäre sicher spannend in Island selber nachzufragen, auch wegen der Grasqualität. Die Nährstoffzusammensetzung vom isländischen Gras ist bestimmt anders. Die Wiesen haben sicher weniger Eiweiss, als hier.

Louven Blog: Nährstoffarm ist ein guter Stichpunkt: Muss ich bei der Wahl des Mineralfutters auf spezielle Dinge achten?

Susanne Walter: Ich füttere Heu und ein Mineralfutter. Selenmangel zum Beispiel kennt man in Island genauso wie hier in Deutschland. Ich denke, es ist wichtig, ein Mineralfutter zuzufüttern, aber für mich muss es kein spezielles Isländerfutter sein.

Louven Blog: Kann man dem Sommerekzem durch die Fütterung vorbeugen? Füttern Sie dafür etwas Spezielles?

Susanne Walter: Ich habe zum Glück keine Pferde mit Sommerekzem.

Ekzem hat oft mit der Haltung zu tun! Es ist eine allergische Reaktion auf den Speichel der Kriebelmücken (die gibt es in Island nicht). Können die Pferde einen insektengeschützten Stall aufsuchen, werden sie nicht gestochen und zeigen auch weniger allergischen Reaktionen.

Viele die Pferde mit schweren Ekzemen haben, stellen ihre Pferde einfach nicht ins Gras (oder nur nachts). In der Dämmerung ist der Flug der Kriebelmücken am stärksten.

Zudem gibt es viele verschiedene Präparate die Linderung bei Sommerekzem bringen sollen. Ich finde aber, dass man hier aufpassen muss, da zu viel Futter immer auch den Darm belastet. Damit ist dann auch die Haut als grösstes Organ, das auch durch den Darm versorgt wird, sehr belastet.

Louven Blog: Was raten Sie bei der Fütterung mit Kraftfutter, wenn das Pferd im Sport oder in der Zucht eingesetzt wird? Was sollte auf keinen Fall darin enthalten sein und was auf jeden Fall?

Susanne Walter: Ich glaube, das kommt einfach aufs Pferd an. Pferde sind ja so verschieden. Ich achte einfach darauf, möglichst wenig Zucker zu füttern. Ich füttere auch mein Turnierpferd nicht mit extrem viel Kraftfutter. Ich gebe etwas mehr, aber da spreche ich dann immer noch von höchstens eineinhalb Liter pro Tag wenn es im Training oder kurz vor dem Turnier steht. Das ist nicht viel. Ein, zwei meiner Pferde sind einfach zu schlank. Die kriegen Heucobs und ab und zu Luzerne um sie aufzufüttern. Möglichst gutes Heu und Mineral ist für mich ausreichend. Möglichst natürlich sollte die Fütterung sein. Ohne irgendwelche Zusätze.

Islandpferde 1

Später im Jahr können einige Pferde, die davon nicht zu dick werden, durchaus auch 24 Stunden raus.

Louven Blog: Um noch einmal auf einen Punkt zurück zu kommen, den Sie eingangs erwähnt haben: Heulage wird ja vielfach jetzt kritisch gesehen. Wie denken Sie darüber?

Susanne Walter: Also meine Pferde bekommen alle Heu. Ich habe zwei Heustauballergiker (COPD), die bekommen bedampftes Heu. Die Säure in der Heulage wird oft nicht gut von Pferden vertragen. Eins der beiden Pferde ist so ein Kandidat. Der verträgt das überhaupt nicht und bekommt davon Durchfall und Kotwasser. Wenn ich nicht muss, füttere ich daher keine Heulage. Es gibt allerdings auch Pferde die mit bedampftem Heu Probleme haben und Heulage besser fressen, aber ich möchte für meine Pferde eigentlich keine Heulage, weil das einfach vom Säuregehalt viel zu hoch ist.

Louven Blog: Gibt es noch etwas, das bei Islandpferden zu beachten wichtig ist?

Susanne Walter: Eigentlich nicht. Die haben ja den gleichen Verdauungstrakt wie andere Pferde auch. Allerdings kann es natürlich sein, dass Pferde die aus Island importiert werden anfangs Probleme bei der Umstellung haben. Ich habe aber nur Pferde die auf dem Kontinent gezogen wurden. Grundsätzlich denke ich, dass es eigentlich keine Rolle spielt, welche Rasse man füttert. Wichtiger ist, dass man ausreichend gutes Heu füttert und ein passendes Mineralfutter.

Außerdem füttere ich auch nicht jeden Tag per se 200g von dem und 100g von dem, sondern ich richte mich nach den individuellen Bedürfnissen des jeweiligen Pferdes.

Louven Blog: Und was füttern Sie Ihren Stuten und Fohlen dazu?

Susanne Walter: Es gibt ja von verschiedenen Firmen Fohlenstarter-Futter und Zuchtstuten-Futter. Für laktierende Stuten ist es wichtig, dass sie ein Zusatzfutter haben, damit die Fohlen auch genug Milch kriegen in der Anfangsphase. Den Fohlen soll es ja an nichts mangeln. Die Stuten mit Fohlen und die Jungpferde sollten nach Möglichkeit den ganzen Tag Zugang zu Futter (Heu oder Gras) haben. Auch hier schaue ich immer, wie der Ist-Zustand sich darstellt und dementsprechend füttere ich dann. Damit fahre ich gut. Die Pferde sind einfach gesund.

Ich kenne da aber leider auch andere Zustände. Auf manch anderen Höfen (vor allem in privaten Ställen) stehen Islandpferde nur rum und sind dick. Ich kenne einen, da haben von sechs Pferden drei Hufrehe. Mir wurde schon gesagt: „Das ist doch normal, dass Islandpferde Hufrehe haben.“ Das stimmt einfach nicht. Ich habe seit 25 Jahren eigene Islandpferde und ich hatte noch nie ein Pferd mit Hufrehe. Wenn Leute ihre Islandpferde nicht bewegen und einfach 24 Stunden auf die Weide stellen, dann passiert sowas.

Louven Blog: Wie lange lassen Sie denn Ihre Pferde auf die Wiese?

Susanne Walter: Im Frühjahr wenn das Gras ganz frisch ist, dann sind sie eine Viertelstunde, halbe Stunde bis zu maximal zwei Stunden draussen. Und im Sommer wenn das Gras nicht mehr so reichhaltig ist, dann sind sie tagsüber draussen und nachts hier am Stall. Wenn ich wieder eine neue fettere Wiese aufmache, lasse ich sie wieder dementsprechend weniger lange draussen. Und dann gibt es auch noch die dickeren Pferde. Die haben auch weniger Weidegang als die Schlankeren. Die Schwerfuttrigeren dürfen später auch 24 Stunden raus. Aber auch das entscheide ich ganz individuell.

Louven Blog: Womit belohnen Sie Ihre Pferde?

Susanne Walter: Meine Pferde kriegen keine Leckerlis. Sie erhalten nach getaner Arbeit ihr Kraftfutter. Ich versuche auch da so nah wie möglich an der Natur dran zu bleiben. In der Natur frisst kein Pferd Karotten. Und in der Natur frisst kein Pferd Brot. Mal ein Apfel schadet nicht, aber das muss auch nicht sein. Viele Leute möchten die Liebe des Pferdes erkaufen. Das funktioniert so aber meiner Ansicht nach nicht. Das ist eher für den Menschen zur Beruhigung.

Louven Blog: Frau Walter, vielen Dank für das Gespräch und diesen Einblick in die Fütterung Ihrer Islandpferde.

Facebook Like

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.