Fütterung von Spezialrassen: Arabische Pferde

Vollblutaraber oder auch Arabische Vollblüter (ox) sind Pferde, die in sämtlichen Abstammungslinien lückenlos nachweisbar von den arabischen Pferden der Beduinenzuchten der arabischen Halbinsel abstammen. Diese reingezogenen Pferde werden auch als asile Araberpferde bezeichnet. Ihre Zucht bewahrt Eigenschaften, die sich im Laufe einer jahrtausendealten Beduinentradition entwickelt haben. Zu diesen Eigenschaften gehören Sanftmut, Temperament, Leistungsbereitschaft, Rittigkeit, ein einwandfreier Charakter, Ausdauer und Schnelligkeit genau so wie Nervenstärke, Gesundheit und Langlebigkeit.

Arabische Pferde unterscheiden sich nicht nur durch ihren Hechtkopf und ihre zierliche, anmutige Gestalt von anderen Pferderassen. Auch anatomisch weichen sie von anderen Pferderassen ab: Statt 18 Rippen, sechs Lendenwirbel und 16-18 Schweifwirbel weist das Skelett des Arabischen Pferdes meist nur 17 Rippen, fünf Lendenwirbel und 15 Schweifwirbel auf.

Diese Rasse wird traditionell bevorzugt bei Distanzritten und Kurzstreckenrennen eingesetzt. Aber auch in der Dressur, dem Westenreiten und der Vielseitigkeit erfreut sie sich großer Beliebtheit.

Asil Araber waren zudem an der Entstehungsgeschichte der heute einflussreichsten und bedeutendsten Pferderassen maßgeblich beteiligt.

Die dieser ursprünglichen Pferderasse eigenen Charakteristika sorgen auch bei der Fütterung immer wieder für Diskussionen und Fragen. Deshalb haben wir den Züchter und Richter des VZAP Bernd Zimmermann vom Gestüt Amurath dazu befragt. Er betreibt seit 1992 eine Vollblut – Araberzucht und war schon als Kind von der Schönheit der arabischen Pferde fasziniert. Grundstein hierfür legten schon früh regelmäßige Besuche des Landgestüts Marbach, der damals bedeutendsten und ältesten Zuchtstätte für Arabische Vollblüter in Deutschland.

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Bernd Zimmermann ist Züchter und Richter des VZAP (Verband der Züchter und Freunde des Arabischen Pferdes). 


Interview

Louven-Blog: Herr Zimmermann, was können Sie uns zur traditionellen Fütterung von arabischen Pferden sagen? Welche Besonderheiten gibt es in den Herkunftsländern der Tiere und welche Grundeigenschaften bringen die Tiere mit, die auch bei der Fütterung zu berücksichtigen sind?

Bernd Zimmermann: Das arabische Pferd ist traditionell ein sehr genügsames Pferd, welches durch die klimatischen Bedingungen in Nordafrika und der arabischen Halbinsel geprägt ist. Diese Genügsamkeit ist grundsätzlich im heutigen arabischen Pferd noch erhalten und bedeutet einen klaren Unterschied zu anderen Pferderassen. Dadurch ist auch begründet, dass man ganz besonders darauf zu achten hat, dass arabische Pferde nicht zu „fett“ gefüttert werden dürfen. Gerade in unseren Breiten sind die Weiden von Mai bis November sehr nahrhaft und reich an Eiweiß, worunter insbesondere die jungen Pferde leiden. Sie verlieren dadurch in der Aufzucht die Härte und Trockenheit. Pferde, die in frühen Jahren zu fett gehalten werden, neigen später eher zu Sehnen und Gelenksproblemen. In der Aufzucht zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr ist mehr auf eine gute Mineralisierung des Futters zu achten. Junge arabische Pferde sollten tendenziell eher etwas magerer als zu fett aufwachsen. Dies gilt natürlich nicht für Fohlen im ersten Lebensjahr. Allerdings müssen wir auch erkennen, dass wir heute diese Pferde in Mitteleuropa für unterschiedliche Nutzungen züchten (z.B. Rennen, Distanz, Western, Show und Freizeit). Die Aufzucht und Fütterung passt sich heute in der Praxis dem aktuellen oder späteren Nutzungszweck an. Leider nicht immer zum Wohl der Pferde im Hinblick auf die Gesundheit und Nutzungsdauer. Wenn junge arabische Vollblüter (bes. Jährlinge und Zweijährige) auf Schauen vorbereitet werden, bekommen sie häufig weniger Rauhfutter und mehr Kraftfutter damit die Muskulatur gut zu erkennen ist. Wenig Bauch und möglichst ausgeprägte Muskulatur ist hier gefragt. Dies kann in bestimmten Wachstumsphasen zu Schäden am Skelett führen. Die Pferde sind dann oft nicht mehr in der Lage in späteren Lebensjahren noch gesund Leistung zu erbringen. Egal ob Zuchtleistung (verminderte Spermaqualität von Hengste oder Störungen des Sexualzyklus, Störungen des Fortpflanzungesverhaltens bei Stuten, Verstärkte Frühresorptionen etc.) Bei Reitpferden und Rennpferde führt diese Art der Fütterung zu verstärktem Verschleiß durch vorgeschädigte Gelenke etc. Deshalb gilt grundsätzlich: Ab dem ersten bis zum 3. Lebensjahr, darf ein Pferd im Zweifel lieber etwas zu dünn als zu fett sein. Unterernährt oder verwahrlost ist hiermit natürlich nicht gemeint.

Louven-Blog: Inwieweit unterscheidet sich das arabische Pferd in der Fütterung von anderen in Deutschland üblichen Pferderassen?

Bernd Zimmermann: In der Praxis unterscheidet es sich tatsächlich erheblich. Das hängt auch vom Nutzungszweck ab. Ein erwachsenes arabisches Pferd mit zum Beispiel Weidegang und wenig bis mittlerer Arbeit (4 x wöchentlich 1 bis 2 Stunden Ausritt) braucht in der Regel kein Kraftfutter. Es reicht dann Weide, gutes Heu (dauerhaft, z.B. mit Heunetz) und Mineralfutter. Bei Robustrassen sind ähnliche Fütterungsmengen und „Strategien“ üblich. Wie eigentlich alle Pferde sollte das arabische Pferd tagsüber (wenn im Paddock oder Box) und auch nachts immer Heu und etwas Stroh zur freien Aufnahme angeboten bekommen. Die Fütterung von Fohlen oder Mutterstuten unterscheidet sich dagegen wenig von den „Kulturrassen“. Die Fohlen brauchen sehr gutes mineralisiertes Futter und die Mutterstute viel Grünfütter, Heu, Stroh und meist auch Kraftfutter für die Milchproduktion. Bei Mutterstuten mit sehr guter Milchleistung und Weidehaltung benötigen Fohlen meist wenig oder kein Kraftfutter. Zu beachten ist, dass die Futtermengen für laktierende arabische Stuten nur etwa bei der Hälfte des Bedarfs einer Warmblutstute liegen bei etwa gleicher Milchleistung.

Louven-Blog: Stimmt es, dass viele arabische Pferde Hafer nicht vertragen und besser Gerste als Kraftfutter gegeben werden sollte? Wenn ja, woran liegt das? Und wieviel Kraftfutter sollten die Tiere bekommen?

Bernd Zimmermann: Diese Aussage höre ich immer wieder, kann das aber nicht bestätigen. Wir selbst und alle Züchterkollegen füttern Mischfutter oder Hafer. Mir ist kein Kollege bekannt, der Gerste füttert. Hafer ist grundsätzlich besser verdaulich, bekömmlicher und ein besserer Energielieferant als Gerste. Hierzu gibt es viele verfügbare Publikationen die zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Das kann auch daran liegen, daß die damalige Gerste (in den arabischen Ländern) deutlich in Form und Inhaltsstoffen von der heutigen Gerste in Mitteleuropa abweicht.

Louven-Blog: Was muss bei Weidegang und Offenstallhaltung berücksichtigt werden?

Bernd Zimmermann: Hierzu gibt als ganz allgemein sehr viele gute Publikationen und Ansätze. Grundsätzlich halte ich Weidehaltung und Offenstall für sehr gut und pferdegerecht. Jedoch stösst man beim arabischen Pferd mit der Haltung in unseren Breiten schon an Grenzen. In der Aufzucht und Freizeitreiterei eine hervorragende und gut durchführbare Haltungsform. Für Sportpferde und erst recht für Schaupferde ist die Offenstallhaltung nicht geeignet. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Bei Schaupferden wird gerade kurz vor den Schauen auf einen hervorragenden Fütterungs- und Pflegezustand wert gelegt. Teilweise werden die Pferde geschoren. Aus praktischen Gründen und auch aus Tierschutzgründen scheidet hier zumindest kurz vor den Schauen die Offenstallhaltung aus. Nicht immer kann ein eingedecktes Pferd in einer Herde mitlaufen. Die Weidezeit sollte begrenzt werden, da die Grasaufnahme und individuelle Fütterung exakt abgestimmt werden sollte. Bei mehreren Trainingseinheiten pro Tag ist es teilweise auch sehr beschwerlich die Pferde immer wieder aus der Gruppe zu entfernen. Was aber nicht heisst, daß Sport- und Schaupferde auf den regelmäßigen Weidegang verzichten sollen. Ganz im Gegenteil. Dies sollte aber abhängig von den Trainingszeiten, Ruhezeiten, Witterung, Fütterung etc. erfolgen. Auch bei Zuchtstuten und erst recht bei Zuchtstuten mit Fohlen bei Fuss, halte ich die Offenstallhaltung für nicht so geeignet. Bei günstiger Witterung können Mutterstutenherden auch mal im Sommer bis zum Herbst einige Wochen und Monate draußen bleiben. Aber auch hier macht sich der Klimawandel bemerkbar. Die immer stärker auftretenden Witterungs- und Temperaturschwankungen erschweren diese Haltungsform, da sie vor allem den Fohlen zu schaffen machen. Das Arabische Vollblut steckt mit sehr feinem Fell und der dünneren Haut mit wenig Fettreserven kalten Wind mit Nässe nicht so leicht weg wie Robustrassen. In den ersten zwei Lebensmonaten sind die Fohlen aufgrund des noch nicht vollständig vorhandenen Immunsystems sehr anfällig. Sie können sehr schnell auskühlen und erkranken. In dieser Zeit sind Lungenentzündungen eine durchaus häufige Ursache für Fohlenverluste.

Das soll auf keinen Fall bedeuten, dass die Weidehaltung eingeschränkt werden soll. Das Herdenmanagement wird durch die Witterung allerdings immer anspruchsvoller, vor allem wenn man Fohlen unterschiedlichen Alters in der Herde aufwachsen lässt.

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Louven-Blog: Können Probleme bei der Fütterung von arabischen Pferden auftreten? Wenn ja welche und wie lassen sie sich vermeiden?

Bernd Zimmermann: Es gibt einige Probleme. Sehr viele arabische Pferde sind anfällig für Hufrehe. Die Gründe hierfür habe ich bereits beschrieben. Mit richtigem Fütterungs- und / oder Herdenmanagement lassen sich abhängig vom Klima, Vegetation, Jahreszeit etc. diese Probleme lösen. Ein arabisches Pferd ohne Arbeit auf eine „fette“ Weide mit Klee und wenig Gräsern zu stellen kann durchaus Hufrehe fördern. Die Pferde verfetten und werden hiermit auch anfälliger für eine Vielzahl von Krankheiten und Allergien. Es gibt zumindest Untersuchungen, dass auch Zusammenhänge zwischen Fütterung und Sommerekzem und anderen allergischen Reaktionen bestehen. Trotzdem ist zu beobachten, dass arabische Pferde auch in dieser Hinsicht (Überfütterung) hart im Nehmen sind und sich bei guter Pflege und leistungsgerechter Fütterung doch schnell regenerieren.

Louven-Blog: Arabische Pferde werden häufig für Distanzritte eingesetzt. Was gibt es bei der Fütterung und eventuell auch bei der Wasser- und Elektrolyteversorgung zu beachten, wenn mein arabisches Pferd zum Distanzpferd werden soll? Gibt es da Unterschiede zu anderen Pferderassen?

Bernd Zimmermann: Hier gibt es eigentlich keine bis wenig Besonderheiten. Das arabische Pferd ist auch hier härter und genügsamer. Jedoch muss ein permanentes Angebot an Wasser (gutes Wasser, bei einer Wassertemperatur von ca. 10 °) und ausgewogene Elektrolyte zusammen mit der Nahrung angeboten werden. Auch Heu ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig, da dies die Flüssigkeitsaufnahme anregt. Nur so bleibt der Flüssigkeitshaushalt des Pferde im Gleichgewicht. Dies gilt grundsätzlich für alle Rassen. Das arabische Pferd hat einen gewissen Vorteil durch weniger Flüssigkeitsverlust gegenüber manch anderen Rassen.

Louven-Blog: Gibt es sonst noch Besonderheiten bei der Fütterung von arabischen Pferden? Wenn ja, welche?

Bernd Zimmermann: Ich habe soweit alles beschrieben. Trotzdem möchte ich noch einmal betonen, wie wichtig es grade beim Kraftfutter ist, dieses besser auf mehrere Mahlzeiten zu verteilen, auch wenn das mehr Arbeit macht! Immerhin verbringen Pferde unter natürlichen Bedingungen etwa 16 Stunden des Tages mit der Futteraufnahme. Wird es nötig- aus welchem Grund (Latktation, Leistung im Sport….) auch immer, Kraftfutter zu füttern, dann sollte das möglichst über den Tag verteilt in kleineren Portionen erfolgen. Die Pferde gewöhnen sich daran, fressen ruhiger, der Speichelfluss wird angeregt und somit der Säuregehalt im Magen besser reguliert. Zwischendurch kann das Pferd somit immer wieder Rauhfutter aufnehmen, was den Darminhalt auflockert und für eine bessere Verdauung und Verwertung sorgt.

Louven-Blog: Wie kam es, dass Sie sich ganz besonders für das arabische Pferd interessieren und heute eine international anerkannte Zucht betreiben. Worauf legen Sie bei der Zucht dieser edlen Tiere besonderen Wert?

Bernd Zimmermann: Nahezu jeder Züchter von arabischen Pferden wurde durch die Schönheit und ganz besonders den dem Menschen zugewandten Charakter dieser Pferde von der „Arabitis“ infiziert. Die Motivation zu züchten unterscheidet sich dann bei allen Züchtern teilweise erheblich.

Wir versuchen keine „Spezialisten“ zu züchten sondern ein möglichst „komplettes“ arabisches Pferd.

Ganz besonderen Wert legen wir auf ein korrektes und funktionales Gebäude mit gut angesetzter, feiner Halsung und sehr guten, reitbaren Bewegungen. Der arabische Typ, hierbei ganz besonders die großen Augen, ist uns sehr wichtig. Rittigkeit und eine hervorragenden Arbeitseinstellung mit gutem Nerv und Charakter sind in unserer Zucht eine Selbstverständlichkeit. Alle Stuten werden geritten und leistungsgeprüft (Feld- oder Stationsprüfung). Ebenfalls müssen sich die Stuten der Eintragungskommission stellen und auf nationalen und internationalen Schauen erfolgreich sein. Erst wenn diese Punkte erfüllt sind, wird eine Stute bei uns dauerhaft als Zuchtstute genutzt und in die Herde eingestellt. Die nächste Selektionsstufe ist dann die Vererbung. Nach 2 bis 3 Fohlen wird entschieden, ob die Stute weiterhin in unser Zucht eingesetzt, verkauft oder durch eine bessere Tochter ersetzt wird.

Bei den Hengsten schauen wir uns immer erst mal in Deutschland um. Gerne nutzen und fördern wir junge, gute Hengste von Züchterkollegen. Aber auch internationale Spitzenhengste finden mit Frisch- oder TG Samen bei uns ihren Einsatz. Das Stutenmanagement, die gynäkologische Betreuung und Besamung der Stuten führen wir auf dem Gestüt selbst durch. Zur Unterstützung und für Spezialfälle arbeiten wir sehr gut, langjährig und vertrauensvoll mit mehreren Tierärzten (je nach Spezialgebiet) zusammen.

Hengste haben wir derzeit nicht aufgestellt. Der Stutenbestand beträgt in der Regel um 6 Zuchtstuten und 8 bis 12 Jungstuten sowie einige Junghengste zur Aufzucht. Der Gesamtbestand liegt seit vielen Jahren konstant zwischen 15 und 20 Pferden.

Die Zahl der verkäuflichen Pferde bewegt sich zwischen 3 und 5 Pferden, vom Fohlen bis zur bewährten Zuchtstute.

Louven-Blog: Herr Zimmermann, vielen Dank für das Gespräch.

Zum Thema empfiehlt Bernd Zimmermann das Buch „Das Arabische Vollblutpferd“ von Georg Wenzler. Erschienen in Franckh`sche Verlagshandlung (1980), ISBN 3440048357.


Das Interview führte Agnes Trosse.

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