Fette in der Pferdefütterung

Zu den energieliefernden Grundnährstoffen, die das Pferd täglich benötigt, zählen neben den Kohlenhydraten auch die Fette. Sie bestehen aus Glycerin und einer oder mehreren Fettsäuren, sind Energieträger (Fette enthalten etwa doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate) und können vom Körper auch gespeichert werden. Ob wir sie als „Fette“ oder als „Öle“ bezeichnen, hängt davon ab, ob sie bei Raumtemperatur (20 °C) flüssig (Öl) oder fest (Fett) sind. 

Fette werden auch als Lipide (von griechisch λίπος lípos= „Fett“) bezeichnet. Es gibt eine ganze Reihe von Lipiden, die alle ganz spezifische Eigenschaften haben. Sie dienen etwa Membranen als Bausteine (z.B. Phospholipide), haben Einfluss auf Hormone (z.B. Prostaglandine) oder auf die Pigmentierung der Haut (Carotinoide). Die verschiedenen Lipide unterscheiden sich im Aufbau voneinander. Einige Lipide werden vom Körper selbst gebildet, andere müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Lipide, die vom Körper aufgenommen werden und nicht selbst gebildet werden können, nennt man essentielle Lipide. In der Pferdefütterung benötigen wir primär natürliche Fette, die Energie bereit stellen. Diese Anforderungen erfüllen die sogenannte Triglycerine. Sie machen den Hauptanteil der natürlichen Fette aus und heißen so, weil sie zusammengesetzt sind aus Glycerin und drei langkettigen Fettsäuren. 

Essentielle Fettsäuren

Den Begriff kennen wir heute alle aus der Werbung: Essentielle Fettsäuren. Doch was machen sie eigentlich und warum sind sie so wichtig? Fettsäuren, die nicht vom Körper selbst hergestellt werden können, nennen wir essentielle Fettsäuren. Sie sind an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt. Fehlen sie, oder stehen sie nicht ausreichend und im richtigen Verhältnis zueinander bereit, kann das zur Ursache verschiedener Erkrankungen werden.

Dass Pferde Fett benötigen, ist sicher. Welche Fettsäuren sind aber für das Pferd essentiell, müssen also über das Futter zugeführt werden, weil der Körper sie nicht selbst synthetisiert? Es deutet vieles darauf hin, dass besonders Linol- und Linolensäure für Pferde essentiell sind. Linolsäure und Gamma-Linolensäure gehören zu den Omega-6-Fettsäuren und kommen in vielen Pflanzenölen vor, besonders aber in Borretschöl, Nachtkerzenöl und Hanföl. Alpha-Linolensäure kommt in allen Pflanzen vor, die Photosynthese betreiben und gehört zu den Omega-3-Fettsäuren. Sie ist z.B. in Leinsamen, Walnuss- oder Hanföl enthalten, aber auch im Gras. 

Gesättigt oder ungesättigt?

Ob man eine Fettsäure als „gesättigt“ oder „ungesättigt“ bezeichnet, hängt davon ab, ob zwischen den Kohlenstoff-Atomen der veresterten Fettsäuren eine Einfachbindung oder eine Doppelbindung vorliegt. Unter einer „einfach ungesättigten Fettsäure” versteht man eine Fettsäure mit Doppelbindung. Fettsäuren-Ketten mit zwei oder mehr Doppelbindungen bezeichnet man als „mehrfach ungesättigte Fettsäuren”. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Der Unterschied zwischen ihnen, dem sie auch ihre Namen verdanken, liegt an der Position der ersten Doppelbindung: Bei Omega-3-Fettsäuren liegt diese hinter dem dritten Kohlenstoffatom, bei Omega-6-Fettsäuren hinter dem sechsten. 

Wenn man nur davon ausgeht, welche Eigenschaften gesättigte und ungesättigte Eigenschaften haben, so lässt sich feststellen, dass beide viel Energie liefern, sich auf viele Stoffwechselprozesse positiv auswirken und das Immunsystem unterstützen. Allerdings sind Fette, die reich sind an mittelkettigen Fettsäuren leichter zu verdauen. Das liegt wiederum am Schmelzpunkt der Fette. Gesättigte Fettsäuren schmelzen erst bei höheren Temperaturen und sind bei Körpertemperatur noch hart. Das verhindert eine Resorption im Darm. Gut verdauliche, ungesättigte Fettsäuren sind bei Raumtemperatur flüssig- liegen also als Öl vor. 

Jetzt haben diese gut verdaulichen mehrfach ungesättigten essentiellen Fettsäuren aber ein großes Problem: Sie sind sehr leicht verderblich. Egal ob Licht, Luftsauerstoff, Temperaturschwankungen, oder andere Einflüsse- diese Fettsäuren können extrem schnell ranzig und damit giftig werden. Große Mengen sollte man daher nicht auf einmal lagern, wenn sie nicht für mehrere Pferde sind und dadurch schnell aufgebraucht werden. Ähnlich verhält es sich mit Leinsamen und auch mit Hafer. Beides sollte nach dem Aufbrechen (also schroten oder quetschen) der Frucht schnellstmöglich verbraucht werden, da alle wertvollen Inhaltsstoffe sonst oxidieren und die ungesättigten Fettsäuren ranzig werden.

Öle, die auch bei Luftzufuhr lange haltbar sind, bestehen meist aus weniger wertvollen, gesättigten Fettsäuren oder ihnen wurde ein Konservierungsmittel wie z.B. Vitamin E beigemischt. Leinsamenöl und Dieselöl enthalten verhältnismäßig wenig natürliches Vitamin E und sind deswegen noch leichter verderblich. Besonders hohe natürliche Gehalte an Vitamin E weisen Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl und Olivenöl auf.

Ob es sich um "Fette" oder "Öle" handelt, hängt davon ab, ob sie bei Raumtemperatur (20 °C) flüssig (Öl) oder fest (Fett) sind.
Ob es sich um „Fette“ oder „Öle“ handelt, hängt davon ab, ob sie bei Raumtemperatur (20 °C) flüssig (Öl) oder fest (Fett) sind.

Wo stecken sonst noch Fette drin?

Die benötigten Fette für die Pferdefütterung finden sich auch in der natürlichen Nahrung von Pferden. Fette sind auch für viele Pflanzen ein wichtiger Energiespeicher und Pferde nehmen in freier Wildbahn Fette ausschließlich über ihre pflanzliche Nahrung auf. Man findet sie in:

  • Samen oder Keimen
  • Getreide
  • Grasähren
  • Nüssen oder anderen Pflanzensamen oder Keimlingen
  • Heu (durch die darin enthaltenen Samen)

Der Ölgehalt von Heu kann grob geschätzt mit einem Prozent beziffert werden. Bei 10 kg Heu wären das etwa 100 ml Öl am Tag. Vorteil dieser Ölaufnahme ist, dass die Fette mit der Nahrung langsam und kontinuierlich statt auf einmal in größerer Menge aufgenommen werden. Das entspricht der natürlichen Fettverdauung des Pferdes und mindert das Risiko von Stoffwechselentgleisungen. 

Probleme bei der Fettverdauung

Füttern wir nämlich zu große Mengen an Ölen kann das schlimme Folgen für die gesamte restliche Verdauung des Pferdes haben. Das liegt daran, dass ein zu hoher Fettgehalt im Darm giftig ist für die Darmflora, da sie ein wässriges Milieu braucht, um gut zu funktionieren. Dazu kommt, dass das Pferd keine Gallenblase besitzt, weil es ja in seiner Evolution nie Fette in größeren Mengen verarbeiten musste.

Wenn nun Fett in großen Mengen den Magen passiert, kann es nicht wie bei uns Menschen durch die Gallenflüssigkeit emulgiert werden. Beim Menschen wirkt die Gallenflüssigkeit wie ein Spülmittel, das die Fette im Nahrungsbrei löst und damit verdaulich macht. Dadurch dass dem Pferd diese Flüssigkeit fehlt, sorgt zu viel Fett im Futter dafür, dass schon die Funktion der Dünndarm-Mikroflora stark beeinträchtigt wird. Der Fettfilm verhindert auch, dass die Kohlenhydrate aus dem pflanzlichen Strukturfutter des Pferdes ordentlich verdaut werden können und dass die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse ihrer Arbeit nachkommen. Zusätzlich rutscht durch den hohen Fettgehalt das Futter schneller durch den Darm. Zu schnell für eine ordentliche Verwertung der einzelnen Bestandteile.

Die Folge ist, dass dem Pferd am Ende anstatt mehr Energie viel weniger zur Verfügung steht, weil weder die Verdauungsenzyme noch die Darmflora die Nährstoffe ausreichend aufschließen können.

Ist Öl in der Pferdefütterung denn jetzt gut oder nicht?

Wir wissen nun, dass das Pferd Fette sowohl als „Brennstoff“ als auch zum Aufbau und für die Funktion des Körpers benötigt. Dann macht es sicher Sinn zum Futter Öl dazu zu geben. Die Antwort ist: Ja und nein. Ja, weil das Pferd, wie wir eben gelernt haben, bestimmte Fettsäuren zu sich nehmen muss, da es sie nicht selbst synthetisieren kann. Nein, weil die Fettverbrennung im Stoffwechsel des Pferdes nur schwach ausgeprägt ist. Das Pferd hat im Laufe der Evolution keine fettreichen Mahlzeiten zu sich genommen und ist daher auf deren Verdauung auch nicht ausgelegt. Da sonst Stoffwechselerkrankungen drohen, sollten Fette in der Pferdefütterung nur in geringer Dosis eingesetzt werden. 

Wir können also bei unserem normal belasteten Freizeitpferd mit einer artgerechten- sprich mindestens 2kg/100 kg LM- Heufütterung davon ausgehen, dass es ausreichend essentielle Fettsäuren, die zudem noch gut verdaulich sind, aufnimmt. Benötigt das Pferd dennoch mehr Energie, die, um die Stärkebelastung des Pferdes über Getreide gering zu halten, aus Ölen kommen soll, bedenken Sie die Besonderheiten der Pferdeverdauung und füttern Sie lieber mehrere kleine Portionen. Alternativ können Leinsamen die besser verdauliche Alternative sein.

Es lässt sich also festhalten:

  • Pferde benötigen die essentiellen Fettsäuren Linol- und Linolensäure
  • Für die Pferdefütterung sind Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren (u.a. sog. Omega-3-Fettsäuren) besonders geeignet
  • für das Pferd wertvolle Öle werden schnell ranzig und sollten daher nur in kleinen Mengen gelagert werden
  • Pferde sind von der Natur nicht für eine fetthaltige Fütterung vorgesehen
  • Pferde haben keine Gallenblase und damit Schwierigkeiten Fett zu verstoffwechseln
  • In Form von pflanzlicher Nahrung, Getreide und Ölfrüchten kann das Pferd Fett besser verdauen
  • bei großem Energiebedarf sollte Öl mit Bedacht und in kleinen Portionen gefüttert werden, nach Gewöhnung können Mengen von 40-100 ml pro Tag und Großpferd gefüttert werden
  • tierische Fette wie Rindertalg und einige pflanzliche Öle wie z.B. Rapsöl sind nicht geeignet für Pferde
  • Öle für die Pferdefütterung sollten kaltgepresst sein und in Lebensmittelqualität

Quellen: 

  • Pferde fit füttern, Christina Fritz, Cadmos
  • Praxishandbuch Pferdefütterung, Ingolf Bender, Kosmos
  • Wikipedia
  • Öle in der Fütterung, Dr. Susanne Weihrauch

Text: Agnes Trosse

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