Druse: Hochansteckende Erkrankung der Lymphdrüsen

Die Druse (auch: Coryza contagiosa equorum oder Adenitis equorum) ist eine hochansteckende Pferdekrankheit Sie befällt die oberen Luftwege beim Pferd und wird durch das Bakterium Streptococcus equi (Strep. equi equi) verursacht. Nach 3 bis 14 Tagen Inkubationszeit verbreitet sich der Erreger über das Blut und die Lymphe. Druse ist nicht anzeige- oder meldepflichtig. Es werden bei Ausbruch der Erkrankung in einem Bestand keine amtlichen Maßnahmen zur Bekämpfung ergriffen. Ein vorausschauendes und durchdachtes Management der Krankheit im Stall ist jedoch aufgrund der extrem hohen Ansteckungsgefahr unerlässlich.

Ursachen
Strep. equi equi ist ein Bakterium, das in der vom Ausscheider kontaminierten Umgebung zwischen 4 Tagen (Erde) und 8 Wochen (Wasser) überleben kann. Eine Verbreitung des Bakteriums ist möglich von Pferd zu Pferd (direkter Kontakt z.B. Maul und Nase) oder über
Träger wie das Pflegepersonal oder auch Gegenstände (z.B. Wasserkübel, Futtertröge, Gebisse etc.). Wie empfindlich ein Pferd auf das Bakterium reagiert, hängt u.a. von der Stärke seines Immunsystems (Alter, andere Erkrankungen, aktuelle Impfungen, etc) ab. Außerdem spielt die Umgebungsbelastung mit dem Bakterium ebenso eine Rolle wie eine mögliche Immunität. Eine solche können Pferde beim vorherigen Kontakt mit dem Bakterium ausbilden.
2-10% der an Drüse erkrankten Pferde, bleiben auch nach ihrer Genesung Träger des Bakteriums. Bei ihnen sorgt das Immunsystem nicht für eine vollständige Eliminierung der Erreger. Die Bakterien
ziehen sich in die Luftsäcke des Pferdes zurück. Von dort werden sie gelegentlich in kleinen Mengen ausgeschieden. Auf diese Weise ist eine längere Belastung des Bestandes mit der Erkrankung möglich. Werden Pferde neu in den Bestand aufgenommen, können diese daher auch bei ausreichenden Hygienemaßnahmen schnell infiziert werden und somit die Krankheit immer wieder zum Ausbruch kommen.


Krankheitsverlauf
3-14 Tage nach der Infektion, kommt es zum Ausbruch der Krankheit. DRUSE-Bakterien befallen die Lymphknoten des Pferdes. Diese reagieren auf den Kontakt mit dem Erreger, indem sie sich mit Eiter füllen und nach einiger Zeit aufplatzen. Wenn sich die Lymphknoten im Bereich des Kehlgangs entleeren, kann Eiter in den Luftsack gelangen. Das verursacht dann einen eitrigen Nasenausfluss. Gerade dieser eitrige Ausfluss enthält besonders viele Erreger und ist damit hochansteckend für andere Pferde. Besonders wichtig zu wissen ist, dass betroffene Pferde auch nach Abklingen der klinischen Symptome noch bis zu 36 Monate lang Erreger ausscheiden können. Sie werden dann als „Stille Träger“ bezeichnet. Meist tragen diese Pferde noch Erreger in ihren Luftsäcken.


  • Symptome
    eitrige Entzündung und Schwellung der Lymphknoten (v.a. im Kopfbereich, ein- und beidseitig)
  • grünlich-gelber Augen- und Nasenausfluss
  • Fieber (bis 40,0-41,5°C)
  • ohne Fieber „kalte Druse“
  • Appetitlosigkeit
  • Müde/Abgeschlagen
  • Husten (trocken bis feucht)
  • Trinkunlust
  • abszedierende Lymphknoten, die nach außen oder in den Luftsack aufbrechen
  • Atemnot
  • Schluckbeschwerden (Schwellungen im Rachenraum)
  • Eiter in den Luftsäcken (Luftsackempyem, Luftsackchondroide)
  • auch ein atypischer Verlauf ist möglich. Dabei treten nur unspezifische Symptome wie leichte Mattigkeit, Nasenausfluss und Husten auf.

Druse

Diese Lymphknoten sind bei einer Druse normalerweise betroffen.


Diagnose
Die Diagnose der Druse wird über einen Erregernachweis im Labor erbracht. Dieser kann teilweise schwierig sein und ist recht kostspielig. Folgende Möglichkeiten hat der Tierarzt, um eine Druse zu diagnostizieren:

  1. Über eine Blutuntersuchung wird nach Antikörpern gegen den Keim gesucht. Fällt der Test positiv aus, muss man davon ausgehen dass das Pferd vor mindestens zwei Wochen Kontakt mit dem Keim hatte. Für die Identifizierung von Stillen Trägern, ist jedoch eines der folgenden beiden Diagnose-Verfahren unerlässlich.
  2. Untersuchung des Luftsacks mit einem Endoskop. Dabei wird der Luftsack außerdem gespült und es werden Proben entnommen um eine Nährbodenkultur anzulegen und/oder eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) mit deren Hilfe Virusinfektionen nachgewiesen werden können.
  3. Im Abstand von jeweils zwei Wochen wird dreimal eine Tupferprobe  vom Nasen-Rachen genommen. Damit wird dann eine Nährbodenkultur angelegt und/ oder eine PCR durchgeführt. Mit Hilfe dieser Vorgehensweise können auch Stille Träger identifiziert werden. Da diese den Keim nur punktuell ausscheiden, muss der Vorgang dreimal wiederholt werden. Dadurch ist dann eine ähnlich aussagekräftige Diagnose wie bei der Luftsacklavage zu erwarten.

Die PCR gilt als das sicherere weil genauere Nachweisverfahren. Proben aus Abzessen oder Luftsacklavagen gelten außerdem als zuverlässiger als Tupferproben aus dem Nasen-Rachenraum. Pferde, die mit dem Druse-Keim infiziert sind,  scheiden ihn wie oben schon erwähnt nur punktuell aus und nicht dauerhaft. Das macht die sichere Diagnose und den sicheren Nachweis, dass ein Pferd druse-frei auch so schwierig. Bei der PCR wird der Keim nachgewiesen, nicht jedoch ob er lebendig oder tot ist. Über eine Nährbodenkultur können auch eventuell ebenfalls am Krankheitsgeschehen beteiligte andere Bakterien nachgewiesen werden.


Behandlung
Der Keim ist ohne seinen Wirt generell nicht sehr widerstandsfähig und stirbt schnell ab. In feuchter Umgebung und unter günstigen Bedingungen kann er jedoch bis zu 12 Monate überleben.Wird bei einem Pferd im Bestand Druse diagnostiziert oder besteht der Verdacht einer Infektion, ist es wichtig, sofort Quarantäne-Maßnahmen einzuleiten. Infizierte Pferde sollten umgehend in ein abgetrenntes Gebäude mit separiertem Auslauf gebracht werden und mindestens 10-25 Meter Abstand zu gesunden Pferden halten, so dass bei Husten und Niesen keine Kontaminierung gesunder Pferde erfolgen kann. Pferde,die an Druse erkrankt sind, benötigen viel Ruhe und dürfen sich über mehrere Wochen nicht anstrengen. Wird das Pferd zu früh wieder ins Training genommen, kann es aufgrund des geschwächten Immunsystems noch im Nachhinein zu Komplikationen kommen. Der Tierarzt entscheidet, wann der Einsatz eines Antibiotikums nötig und sinnvoll ist. Er wird im Zusammenhang mit der Druse kontrovers diskutiert und kann in manchen Fällen auch eine Keimstauung begünstigen. Weitere Möglichkeiten, die dem Tierarzt bei der Behandlung der Erkrankung zur Verfügung stehen, sind die Behandlung mit Entzündungshemmer, und Schleimlöser, sowie die generelle Unterstützung des Immunsystems. Wichtige Punkte bei der Behandlung eines an Drüse erkrankten Pferdes: Ruhe// weiches Futter// viel Flüssigkeit// frische Luft// keine Belastung. Nach Abklingen der Krankheitssymptome bei allen erkrankten Pferden des Bestandes, wird noch mindestens zwei Wochen (Inkubationszeit) abgewartet, bevor abschliessende Laboruntersuchungen Aufschluss darüber geben, ob der Bestand frei von Druse-Bakterien ist. Im Rahmen dieser drei Mal im wöchentlichen Rhythmus vorgenommenen Untersuchungen können auch stille Träger identifiziert werden. Sind noch Keimträger unter den betroffenen Tieren, sind diese weiterhin zu isolieren und zu behandeln.


Vorbeugung
Damit es erst gar nicht zu einer Infektion kommen kann, sollte jedes Pferd im Betrieb seine eigene Ausrüstung haben: eigenes Putzzeug, Sattelzeug, Decken, Futtertrog, Tränke etc. Neue Pferde im Bestand, sowie Gastpferde sollten mindestens zwei Wochen unter Quarantänebedingungen gehalten werden. Diese Maßnahme reicht bei „stillen Trägern“ nicht aus, weswegen neue Einsteller Auskunft darüber erteilen sollten, ob ihr Pferd in den vergangenen 36 Monaten mit Druse in Kontakt gekommen ist oder erkrankt war.
Je kleiner die zusammengestellten Pferdegruppen, desto geringer ist die Gefahr, dass viele Pferde infiziert werden. Die regelmäßige Reinigung der Box, der Tränke und des Futtertroges ist unerläßlich.
Als Pferdebesitzer sollte man den Nasenkontakt des eigenen Pferdes mit fremden Pferden unterbinden. Nach dem Kontakt mit fremden Pferden ist es ratsam die Hände zu waschen und die Kleidung zu wechseln. Dasselbe gilt für den Besuch von Veranstaltungen außerhalb des eigenen Stalles. Hygienemaßnahmen wie das Waschen und Desinfizieren der Ausrüstung sind hier essentiell. Es existiert zwar eine Impfung gegen die Druse, diese ist aber nur in akuten Fällen und nicht als vorbeugende Maßnahme sinnvoll, da etwa 25% der geimpften Pferde weiterhin keinen ausreichenden Schutz aufweisen und die Nebenwirkungen der Impfung bis hin zur Symptomatik der Erkrankung gehen kann. Erwiesen ist jedoch die Tatsache, dass bei Pferden, die regelmäßig gegen Influenza geimpft werden, die Ausbruchshäufigkeit der Druse eventuell durch eine sog. Kreuzimmunität eingedämmt wird.


Risikopatienten
Je nach Zusammensetzung des Pferdebestandes und je nach Haltungsform, kann die Druse bis zu 100% der Pferde im Bestand befallen. Einige Pferde können im Vorfeld eine Immunität ausgebildet haben, was dann dazu führt, dass sie nicht erkranken. Besonders anfällig sind Jungpferde und Pferde mit schwachem Immunsystem.


Prognose und mögliche Komplikationen
Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose gut. Da es sich um eine bakterielle Erkrankung handelt, lassen sich Antibiotika einsetzen. Auch eine vorbeugende Impfung ist möglich. Es kann allerdings auch zu vielfältigen Komplikationen kommen, wenn das Bakterium sich im Körper ausbreitet (Petechialfieber). Dadurch können z.B. Entzündungen des Herzmuskels, Koliken, Gewichtsverlust, Anämie, Leistungsschwäche, Luftsackerkrankungen wie Mykosen oder Emphyseme und Schäden an den Kopfnerven, sowie weitere Folgeerkrankungen wie Herzmuskelversagen. Leberschäden, Nierenversagen etc. auftreten. Bei 2-3% der Pferde verläuft die Druse tödlich.


Quellen:
Klinik für Pferde der Ludwig-Maximilians-Universität München, Innere Medizin und Reproduktion// Informationen zur Druse von der Pferdeklinik der Universität Zürich (abgerufen am 24. März 2016)//Hanns-Jürgen Wintzer (Hrsg):Krankheiten des Pferdes. Ein Leitfaden für Studium und Praxis, 3. Auflage, Parey Buchverlag, Berlin 1999, ISBN 3-8263-3280-6.//Johann Nicolaus Rohlwes:Abhandlung von den innerlichen Krankheiten der Pferde zur Bildung für angehende Thierärzte. Bey Herold und Wahlstab, Lüneburg 1797//
Olof Dietz (Hrsg):Handbuch Pferdepraxis. 3. Auflage, Enke Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8304-1028-7.// www.aaep.org


Text: Agnes Trosse

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