Die ordentliche 13- Tipps für die richtige Lagerung von Pferdefutter

Schimmel, Mäusekot, Futtermilben- Bei uns Menschen haben diese Dinge in der Speisekammer nichts zu suchen. Und auch für das Pferd sollten keine anderen Regeln gelten.  Dreck und Staub können Pferde ebenso krank machen wie uns. Mäuse- und Rattenkot sowie Tierkadaver führen zu dramatischen Erkrankungen, Feuchtigkeit lässt Pferdefutter verderben, Pilzbefall sorgt für Vergiftungen, Allergien und Lebererkrankungen. 

Damit es soweit nicht kommt, gehört zur Pferdehaltung ein durchdachtes Futtermanagement, das nicht nur die Rationsgestaltung sondern auch die korrekte und lösungsorientierte Lagerung berücksichtigt.

Grundsätzlich gilt für alle Haltungen, dass Futtermittel so zu bevorraten sind, dass:

  • ihre Lagerung keinen großen Aufwand darstellt und sie schnell und unkompliziert zum Futtereinsatz kommen können
  • Schimmel, Parasiten oder andere schädliche Einflüsse durch Hygienemaßnahmen vermieden werden
  • Diebstahl, mutwillige Beschädigung oder Verunreinigung weitestgehend ausgeschlossen werden können 
  • die Futtermittel nicht verderben können, kein Feuer oder Gifte entstehen und dass von ihnen keine Gefahr der Übertragung von Krankheiten, Parasiten, Pilzen oder ähnlichem ausgeht
  • Pferde sich nicht selbst bedienen können ohne Zuteilung 
  • Nährstoffgehalt, Aroma, Geschmack, Bekömmlichkeit durch die Lagerung nicht eingeschränkt werden

Allen Grund- und Zusatzfuttermittel (und auch das Einstreumaterial) sollten deshalb trocken, luftig und schadgasfrei unter einem Dach gelagert werden. 

Wovor müssen wir Futter prinzipiell schützen?

  • vor klimatischen Einflüssen (Sonne, Hitze, Regen, Bodenfeuchtigkeit)
  • vor Parasitenbefall
  • vor der Verunreinigung oder Beschädigung durch Tiere (Nagetiere, Vögel, kleine Wiesel)
  • vor Schimmelbildung, Milben und Fäulnisbakterien
  • vor Insekten (Fliegen, Käfer)

katze

Wie sieht eine durchdachte Lagerung von Futtermitteln aus? 13 wichtige Tipps:

  1. Das Pferdefutter niemals offen lagern, sondern vor Dreck und Staub schützen.
  2. Heu und Stroh sollten immer unter einem Dach gelagert werden. Die Lagerung im Freien (z.B. unter Planen) ist nicht empfehlenswert. Wettereinflüsse und Parasiten oder Kleintiere sorgen hier durchweg zur Total- oder Teilverderbnis. Starke Sonneneinstrahlung kann bei folienverpackter Silage oder Heulage  zur Kondenswasser- oder Gasbildung beitragen sowie Fehlgärungen verursachen. Tiere können mit ihren Krallen oder Schnäbeln die Folien beschädigen (Krähen oder Ratten). Ausserdem verderben wichtige Inhaltsstoffe des Pferdefutters wie Vitamine und Zusatzstoffe sonst schnell.
  3. die Lagerung sollte nicht im Dachstuhlbereich sondern in Erdnähe stattfinden mit Bodenisolation
  4. das gelagerte Heu und Stroh muss weitestgehend frei gehalten werden von Ungeziefer. Um Mäuse und Ratten im Zaum zu halten, hilft meist schon eine Hofkatze. Raufutter muss prinzipiell so gelagert werden, dass es trocken bleibt. Das gelingt nur, wenn es auch von unten leicht belüftet ist. Raufutter wie Heu, Stroh oder Luzerne sollte daher nicht direkt auf dem Boden gelagert werden.
  5. Kraftfutter sollte in kleinen Betrieben nur für maximal 14 Tage bevorratet werden. Das kann in verschließ- und belüftbaren Tonnen oder Kisten erfolgen. Bei großen Betrieben bietet sich die Silolagerung für größere Getreide und Pelletmengen an. Edelstahlbehälter sind meist gut zu reinigen und verfügen über die notwendigen Be- und Entlüftungsöffnungen. Eine solche Silolagerung muss regelmäßig überprüft werden, da das so gelagerte Futter durch äußere Einflüsse wie Wärme, Kälte oder ähnliches) trotzdem noch verderben kann. Bei Silos, die mit Futterautomaten verbunden sind, gehört deshalb eine tägliche Kontrolle unbedingt zur Routine. Auch Silos sollten möglichst unter einem Dach aufgestellt sein um Temperaturschwankungen und damit verbundener Schimmelpilzentwicklung vorzubeugen. Silos können auch aus luftdurchlässigen Fasergeweben bestehen. Silos können häufig auch bei Futtermittelhändlern gemietet werden. 
  6. Für kleine Futtermengen eignen sich zur Aufbewahrung auch saubere Plastiktonnen. Diese sollten einen dicht verschließbaren Deckel haben, damit Mäuse, Ratten und Ungeziefer sich keinen Zugang zum Futter verschaffen können. Das Futter wird so nicht nur vor dem Konsum durch die Schädlinge geschützt, sondern auch vor einer Verunreinigung durch deren Kot oder verendete Tiere. Tierkadaver im Futter können zum gefürchteten Botulismus führen. Wenn jeder Pferdebesitzer seine eigenes Futter bereit stellt, sollte klar sein, wem welche Tonne gehört. In Betrieben wo sich ein Futterteam um die Fütterung kümmert, muss klar sein, wessen Futter in welcher Tonne ist. Um Verwechselungen und Ärger zu vermeiden bietet es sich an, alle Tonnen zu beschriften.
  7. Ein gut durchdachtes Stallkonzept sieht auch einen Lagerraum für das Kraftfutter vor. Vorteil eines solchen Raumes: Ist er abschließbar wird es für besonders schlaue Pferde, die auch mal Bozentüren öffnen, sehr viel schwieriger einen solchen Ausbruch auch mit einem „Mitternachtshappen“ zu verbinden. Da gerade solche Mitternachtshappen schnell zu schlimmen Bauchschmerzen führen, ist die Futterkammer eine besonders vorausschauende Maßnahme. Sie sollte sauber, kühl, durchlüftet und vor allem trocken sein. 
  8. Soll der Hafer gequetscht werden, weil viele alte Pferde im Bestand sind, bedenken Sie bitte , dass gequetschter Hafer oxidiert und nur maximal 24 Stunden haltbar ist. Danach bildet sich auch schneller Schimmel. Deswegen den Hafer immer frisch quetschen und danach nicht lagern. Schimmelpilze bilden Mykotoxine, die zu verschiedenen Erkrankungen (Kolik, Magenerkrankungen, Allergien, hormonelle Verschiebungen, Vergiftungen) führen können.
  9. schädliche Gerüche (Mist, Kaminrauch, Jauche- oder Güllegruben, KFZ-Abgase, Schadstoffe, etc) sollten möglichst nicht in der Nähe der Futterlagerung auftreten.
  10. Futtertrog, Wasserbottiche und Tränken sollten ebenfalls regelmäßig überprüft werden. Es kann durchaus auch mal vorkommen, dass das Pferd in die eigene Tränke äppelt, oder dass ein Vogel im Wasserbotticht ertrinkt. Bei automatischen Tränken überprüfen Sie dringend täglich, ob diese wirklich funktionieren.
  11. Möhren, Rote Beete und anderes Saftfutter muss kühl gelagert werden, da es sonst sehr schnell schimmelt. Die Aufbewahrung in einer kühlen aber frostfreien, dunklen und gut durchlüfteten Futterkammer, macht Sinn. Die Kisten in denen Karotten & Co gelagert werden, sollten offen sein oder mit Luftlöchern versehen. Gut ist es auch, den Boden der Kiste mit Stroh auszukleiden. Eventuell entstehende Feuchtigkeit im Behälter wird so aufgesaugt. 
  12. Heu und anderes Futter, das verschimmelt ist, gehört auf den Mist. Das gilt auch dann, wenn nur ein kleiner Teil eines Heuballens schwarze Stellen aufweist und der Rest noch gut aussieht. Das große Problem bei Pilzbefall ist, dass der sichtbare Teil des Pilzes nur sein Fruchtkörper ist. Der größte Teil des Pilzes besteht jedoch aus einer Art Fadengewebe, das den kompletten Heuballen oder die Mohrrübe durchziehen kann. Dieses sogenannte Mycel, das das Gift eines Pilzes ausscheidet, ist nicht sichtbar. Da wir es nicht sehen können, ist es auch unmöglich zu sagen, wie viel des restlichen Heuballens man wegwerfen muss, um die Gesundheit des Pferdes nicht zu gefährden. Grundsätzlich gilt daher: alles muss entsorgt werden. Ist das Heu sehr staubig und riecht muffig, muss ebenfalls von einem Pilzbefall ausgegangen werden. Weg damit! 
  13. Silage oder Heulage-Ballen müssen richtig gelagert werden! Dazu gehört, dass die Folie keine Schäden aufweist und nicht brüchig wird. Sobald ein Loch oder ein kleiner Riss entstehen, verdirbt das Futter. Wie schon im Artikel über Botulismus beschrieben, ist es sehr wichtig, dass Heulage vor dem Verfüttern genau untersucht wird. Ein Tierkadaver, der mit eingeschweisst wurde, kann tödlich werden für die Pferde, die diese Heulage zu sich nehmen. 

Quellen: Ingolf Bender, Praxishandbuch Pferdefütterung, Tipps-zum-Pferd.de, bernd-leitenberger.de


Text: Agnes Trosse

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