Was muss ich bei der Fütterung von Kräutern beachten?

Die Phytotherapie oder auch Pflanzenheilkunde wird schon seit Jahrtausenden vom Menschen praktiziert und gehört zu den ältesten Therapien medizinischer Art. Kräuter gehören damit zu den pflanzlichen Medikamenten. Ihre Wirkung ist allerdings nicht immer wissenschaftlich nachgewiesen. Doch genau dieser Aspekt ist auch bei der Fütterung von Kräutern an Pferde durchaus zu berücksichtigen. Was sollte ich als Pferdehalter also in jedem Fall wissen und beachten, wenn ich mich für die Fütterung von Kräutern oder Kräutermischungen entscheide?

Zu allererst einmal werden in der Pflanzenheilkunde nur ganze Pflanzen oder Pflanzenteile verwendet. Ganze Pflanzen enthalten immer verschiedene Inhalts-und Wirkstoffe, deren Gehalt sehr stark davon abhängt, unter welchen Bedingungen die einzelne Pflanze aufgewachsen ist. Klima, Standort und der Zeitpunkt der Ernte beeinflussen somit ebenso wie die Trocknung und die Lagerung die Wirksamkeit des Krautes.

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Tannine in der Esparsette- Freund oder Feind?

Die Esparsette ist eine Futterpflanze, die Schafen, Rindern, Ziegen und Pferden gefüttert wird. Ihre Eigenschaften habe ich schon HIER beschrieben. Ich selbst füttere meiner stoffwechselsensiblen, zu Kotwasser, starken Aufgasungen, Allergien und zu Fettansätzen neigenden Rheinländerstute seit eineinhalb Jahren neben Heu als Kraftfutter Esparsette. Mein Pferd findet immer deutlicher zu einem normalen Stoffwechsel zurück und durch die mit der Esparsettefütterung einhergehende Regulierung der Darmflora hat sich auch das Immunsystem positiv verändert: Infekte hatten wir seit Beginn der Fütterung keine mehr, während meine Stute vorher vor der kleinsten Umgebungsveränderung geschützt werden musste. Immunstärkende Spritzen vom Tierarzt waren das Einzige was half, wenn mal ein Transport anstand. Dass meine Stute auch immer direkt „Hier“ schrieh, wenn ein anderes Pferd hustete und ich dann auch behandeln musste, muss ich wohl nicht erwähnen. Kurzum: Vor eineinhalb Jahren fing ich an, ihr Esparsette zu füttern.

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Leinsamen

Leinsamen nennt man die besonders fett- und proteinhaltigen Früchte des Flachs. Es gibt gelbe und braune Leinsamen. Dabei handelt es sich nicht um Getreide, sondern um Ölfrüchte. Mit 30% ist der Ölanteil der Frucht recht hoch. Außerdem enthält Leinsamen etwa 20% Proteine. Ernährungswissenschaftler halten die in Leinöl enthaltene Omega-3-Fettsäure Linolensäure für gesundheitsfördernd. Leinsamen sind außerdem ein natürlicher Lieferant für Selen und Vitamin E und sind heute fester Bestandteil von einigen Fertigfuttermitteln sowie von Mash, da die Proteine und Fettsäuren aus Leinsamen für Pferde sehr gut verwertbar sind. Vor dem Füttern werden die Samen meist geschrotet, um ihre harte Schale aufzubrechen und dadurch die Verdaulichkeit noch weiter zu steigern.

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Flohsamen (Psyllium)

Das Psyllium ist eine niedrig wachsende Pflanze, die in Indien und im Iran beheimatet ist und zu den Wegerichgewächsen, gehört, gewonnen. Interessant sind für die Nutzung in der Pferdefütterung ausschließlich die Samen dieser Pflanze, die sich in runden Kapseln entwickeln. Sie sind oval und braunglänzend. Sind sie reif, springen sie aus der Fruchtkapsel. Dieser Prozess sieht aus, als würden Flöhe hüpfen- daher der Name.
Schon vor mehr als 2000 Jahren wurden Flohsamen vor allem in Indien zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Doch auch europäische Ärzte haben in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Flohsamen zur Behandlung von Gicht, entzündeten Schleimhäuten oder zur Entgiftung des Körpers verwendet.

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Frauenmantel

Im Altertum galt der Frauenmantel geradezu als Wundermittel bei Beschwerden in den Wechseljahren, zur Regulierung des Hormonhaushaltes oder zur Stimulierung der Rosse. Er hat eine positive Wirkung bei Magen- und Darmstörungen, wirkt ausgleichend auf den gesamten Stoffwechsel und beruhigt bei Husten. Wie die Brennnessel auch, eignet sich bei dieser Pflanze die Durchführung einer Frühjahrskur. Äußerlich angewendet lindert der Frauenmantel Ekzeme und kann dabei helfen lästige Fliegen zu vertreiben.

Der Frauenmantel wird bis zu 40 Zentimeter hoch und zählt zu den Rosengewächsen. Seine Blätter sind langstielig und handförmig, an den Rändern fein gezahnt und leicht behaart. Die Blüten sind ebenfalls langstielig in Rispen angeordnet und unscheinbar blassgelb gefärbt. Am häufigsten ist der Frauenmantel auf Wiesen und Weiden, an Waldrändern oder an Bachläufen zu finden. Geerntet werden die frischen Blätter vor der Blütezeit.


Botanischer Name: Alchemilla vulgaris

Volksnamen: Taukraut, Perlkraut, Frauenhilf, Frauenrock

Familie: Rosengewächse

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, wenig ätherisches Öl

Anwendung: bei leichten Durchfällen, zur Geburtserleichterung, zur verbesserten Heilung der Geburtswege, bei Hauterkrankungen, Wunden und Geschwüren


Wirkungsweise:

  • zusammenziehend
  • blutreinigend
  • juckreizmildernd

Beinwell

Der Beinwell ist eine der bekanntesten Heilpflanzen, wenn es um Knochen, Knorpel, Sehnen und Bänder oder Bindegewebe geht. Er hat eine hervorragende heilende Wirkung, regt das Zellwachstum an und regeneriert somit das Gewebe und wirkt Entzündungen entgegen. Er wirkt leicht analgetisch und wird durch seine wundheilende und reizlindernde Wirkung meist äußerlich als Umschlag verwendet. (Äußerlich (Wurzel): 100 g (gepulvert oder geschnitten) in einem Liter Wasser zehn Minuten kochen. Das Ganze abkühlen lassen, Wurzel absieben, ausdrücken und Sud als Umschlag auf die betroffene Stelle geben. Äußerlich (Kraut und Blätter): 50 g in 500 ml heißem Wasser aufkochen, abkühlen lassen, absieben, ausdrücken und Sud als Umschlag auf die betroffene Stelle geben.) Wunden sollten vor dem Auftragen von Beinwell gründlich gereinigt werden, da ansonsten Schmutzpartikel oder ähnliches durch die schnell heilende Wirkung mit eingeschlossen werden können, was zu Entzündungen führen kann.

Der Beinwell ist eine bis zu einem Meter hohe Pflanze mit einer fingerbreiten, äußerlich schwarzen und innerlich weißen Wurzel. Die Stängel sind aufrecht und hohl und die Blätter einförmig-lanzettenförmig und bis zu 20 Zentimeter lang. Die Farbe der Blüten reicht von dunkellila über rot bis zu gelblich weiß. Meist ist der Beinwell an Gräben, Bachufern und feuchten Wiesen zu finden.


Botanischer Name: Symphytum officinale

Volksnamen: Bienenkraut, Schwarzwurz, Beinwurz, Kuchenkraut

Familie: Borretschgewächse

Inhaltsstoffe: Blätter und Kraut: Allantoin, Gerbstoffe, Rosmarinsäure, Schleimstoffe und Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden, Vitamin B12
Wurzel: Allantoin, Schleimstoffe, Cholin, Gerbstoffe, Stärke, Triterpene, Sterole und Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden

Anwendung:  bei Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen, schlecht heilenden Frakturen, Sehnen-, Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündung, Bluterguss, Furunkel, Lymphknotenschwellung bei fieberhaften Infekten, Geschwüre, Knochenhautentzündung, bei eitrigen Wunden, Überbeinen, Gallen, Arthrose oder Arthritis. Fördert massiv die Wundheilung und sorgt für ein schnelleres Schließen der Wunde.

Fertigpräparate: Kytta Salbe, Balsam oder Plasma; RestitutiondFluid PLV


Wirkungsweise:

  • entzündungshemmend
  • antiseptisch
  • abschwellend
  • zusammenziehend
  • schmerzlindernd
  • fördert die Kallusbildung (neues Knochengewebe nach Bruch)
  • lokal reizmildernd
  • wundheilungsfördernd
  • granulotionsfördernd (regt Gewebeneubildung an)
  • Verflüssigung des Wundsekretes
  • wundreinigend

Artischocke

Die Artischocke ist eine bis zu 2 Meter hohe diestelartige Pflanze, die bereits in der römischen Antike für Ihre Wirkung bekannt war. Sie besitzt große Blätter und blau-violette Blüten. Diese Blüten und der fleischige Blütenboden sind als leicht bitteres Gemüse bekannt und in vielen Küchen geschätzt. Für Pferde können die Blätter der Artischocke eine unterstützende Wirkung aufweisen, wenn es um Erkrankungen der Leber, Niere oder Galle geht. Dabei wirkt die Artischocke harntreibend und lipidsenkend an. Da bei einer Erkrankung der Leber oftmals Nährstoffimbalancen und Mangelsituationen von bestimmten Nährstoffen auftreten, sollten bei der Lebertherapie genau diese ausgeglichen werden um keine weiteren Leberzellen zu schädigen. Die Zugabe von Artischocken dient der Leberentgiftung und regt den Gallenfluss an.


Lateinischer Name: Cynara scolymus

Familie: Korbblütler (Asteraceae)

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (Cynarin), Vitamine A, C, E, Flavonoide, Enzyme (leicht antidiabetisch), CCS (Caffeeolylchinasäure) werden nur in der Teezubereitung gelöst, wichtig für die Wirkung.

Anwendung: Bei Blähungen und Gasansammlungen im Darm, Funktionsstörungen im Bereich der Leber, Appetitlosigkeit, Prophylaxe und Therapie von Gefäßerkrankungen, Vergiftung der Leber und zur Unterstützung des Leberstoffwechsels, mangelnder Sekretion der Verdauungsdrüsen sowie beim metabolischen Syndrom (begleitend)


Wirkungsweise:

  • Anregung der Gallenproduktion
  • Anregung der Gallenausschüttung
  • Lebervergiftung bekämpfend
  • lipidsenkend
  • harntreibend

Info: Nach einem sehr reichhaltigen Essen sollten Sie einen alkoholfreien Kräuterbitter aus dem Reformhaus genießen. Er enthält Artischocke und andere Kräuter, die die Fettverdauung unterstützen.

Nachtkerze

Seit dem 18. Jahrhundert wird die Nachtkerze als Nahrungs- und Heilmittel genutzt. Nachtkerzenöl wird aus dem Samen der Nachtkerze, auch Oenothera biennis L. genannt, durch Pressung und Filtration gewonnen. Es ist bekannt für seine besonders positive Wirkung auf Haut und Fell von Pferden. Die reichlich enthaltene Gamma-Linolsäure muss dem Körper als essentielle Fettsäure über die Nahrung zugeführt werden. Sie trägt zu seidig glänzendem Fell sowie einem geschmeidigen Hautgefühl bei Pferden bei. In Zeiten des Fellwechsels wirkt sie unästhetischer Schuppenbildung entgegen. Zudem fördert Nachtkerzenöl ein schnelles Abheilen aufgeschürfter Hautstellen. Auf Druckstellen und Fellblessuren ist es eine wahre Wohltat für Pferde. Mit Nachtkerzenöl lassen sich auch Pferde behandeln, die am Sommerekzem leiden. Das häufig mit dieser Hautkrankheit verbunden Scheuern und Aufreiben der juckenden Hautstellen wird durch das Auftragen des Öls gemildert. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Nachtkerzenöl seit über 300 Jahren ein bewährtes und beliebtes Naturheilmittel ist.

Die Nachtkerze verfügt über aufrechte Stängel an deren sich ihre Blätter länglich verkehrt anordnen. Sie wird bis zu einem Meter hoch und an der Spitze befinden sich ihre über zwei Zentimeter großen, schwefelgelben, duftenden Blüten, die sich meist erst am Abend öffnen.


Botanischer Name: Oenotherae oleum

Volksnamen: Sommerstern, Nachtstern, Abendblume

Familie: Nachtkerzengewächse

Inhaltsstoffe: Fettes Öl mit 60-80 % Linolsäure, 8-14 % y-Linolensäure

Anwendung:  Bei Druckstellen, Juckreiz, Hautschorf, Schuppen, trockener Haut oder Sommerekzem


Wirkungsweise:

  • entzündungshemmend
  • juckreizlindernd
  • immunmodelierend

Ringelblume

Die Ringelblume ist eine natürliche Heilpflanze mit besonders vielfältiger Wirkkraft. Sie enthält Schleimstoffe, Bitterstoffe, ätherische Öle und Flavonoide. Diese wirken im Inneren des Pferdekörpers harntreibend und blutreinigend, indem sie die entgiftende Funktion der Leber und der Nieren unterstützen. Ringelblumen regen die Schweißproduktion an, wodurch die Entgiftung des Körpers zusätzlich unterstützt wird. Auf einen matten Kreislauf wirken sie stimulierend und anregend. Äußerlich angewandt haben Ringelblumenblüten eine positive Wirkung auf die Haut. Die enthaltenen Flavonoide wirken in Kombination mit den ätherischen Ölen entzündungshemmend. Bei kleineren Hautverletzungen, Quetschungen oder Geschwüren sind Ringelblumen eine wahre Wohltat für die betroffenen Stellen. In Form einer Kompresse, Salbe oder eines Breiumschlags tragen sie zu einer raschen Abheilung geschädigter Hautpartien ab. Sogar bei schwerwiegenden Hauterkrankungen wie dem Sommerekzem tragen Ringelblumen zur Linderung des Juckreizes und Regeneration der strapazierten Hautstellen bei.

Als einjährige, anspruchslose Pflanze wird die Ringelblume bis zu 60cm hoch. Ihre Stängel sind kantig und filzig behaart mit länglichen und ebenfalls behaarten Blättern. Ihre gelb-orangenen Blüten sieht man die Ringelblume häufig an Wegesrändern, Zäunen und in vielen Gärten.


Botanischer Name: Calendula officinalis

Volksnamen: Goldblume, Butterblume, Ringelrose

Familie: Korbblütler

Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl, Calendula-Sapogenin, Saponine, Glykoside, Bitterstoffe, Flavonoide, Schleimstoffe

Anwendung:  bei Prellungen, Quetschungen, Wunden, Verbrennungen, Geschwüren, Ekzemen, Warzen, Pilzerkrankungen, Entzündungen der Schleimhäute und Strahlfäule


Wirkungsweise:

  • antiviral
  • pilzabtötend
  • antibakteriell
  • gegen Ödeme
  • entzündungshemmend
  • granulationsfördernd
  • wundheilungsfördernd

Teufelskralle

Durch die Teufelskralle finden alle degenerativen, entzündlichen und schmerzhaften Erkrankungen des Gelenkapparates Linderung. Dazu gehören beispielsweise die Arthritis, chronische entzündliche  Polyarthritis, Rheuma, Hufrollenentzündung, und alle Arten von Arthrosen wie Spat oder Schale. Die Teufelskralle hat eine schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung und ist somit ein bewährtes Heilmittel bei Erkrankungen des Bewegungsapparates. Darüber hinaus fördert sie den Stoffwechsel und wirkt harntreibend und nierenanregend. Ob als reine Wurzel oder als Fertigpräparat, kann die Teufelskralle bei chronischen Erkrankungen als Kur gefüttert werden um eine Gewöhnung des Körpers zu vermeiden. Dabei sollte die Tagesdosis etwa 15g pro Pferd betragen und über einen Zeitraum von sechs bis neun Monaten gefüttert werden. Da die Teufelskralle auch die Uterusmuskulatur anregen kann, sollte sie nicht an Tragende Stuten verfüttert werden.

Ihren Namen hat die Teufelskralle von ihren verzweigten und knorrig geformten Armen. Ihre leuchtend roten Blüten blühen während der Regenzeit bis sich aus ihnen eine verholzende Frucht entwickelt, die mit Wiederhaken versehen ist und die Krallenform ausbildet. Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem Süden Afrikas bis sie – recht spät – auch in Europa eingeführt wurde.

Hinweis: Die Teufelskralle ist ein schmerzstillendes Mittel. Es besteht die Gefahr einer Überanstrengung, da Lahmheiten überdeckt werden können.


Botanischer Name: Harpagophytum procumbens

Familie: Pedaliengewächse

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, freie Zimtsäure, Flavonoide

Anwendung:  Bei Schmerzen im Bewegungsapparat, Schale, Spat, Arthrose und Arthritis, Muskelschmerzen, Neuralgien, Appetitlosigkeit, chronischen Entzündungen


Wirkungsweise:

  • choleretisch
  • entzündungshemmend
  • schmerzlindernd
  • appetitanregend
  • harntreibend
  • nierenanregend