Botulismus- Schwere Erkrankung durch bakterielles Nervengift

Achten wir als Pferdebesitzer nicht ausreichend auf die Futterhygiene, kann das für unsere Pferde tödlich sein. Botulismus droht. Beispielsweise dann wenn ein toter Vogel oder eine Maus das Futter verunreinigt hat. Ganz besonders gefährlich sind solche Tierkadaver in Silage-Ballen. Hier herrscht für das Bakterium Clostridium botulinum genau das richtige Klima, damit es ein tödliches Nervengift produzieren kann. Dieses Gift ist stärker als Zyankali und verursacht beim Pferd eine Lähmung der Nerven, die meist fatal endet.

Ursachen:

Ursache für die Erkrankung ist das Bakterium Clostridium botulinum. Es kann unter Sauerstoffausschluss (anaerob) ein tödliches Nervengift produzieren. Clostridium botulinum und seine Sporen kommen überall im Boden vor und können entweder über das Futter oder über Wunden ins Pferd gelangen. Aber nur wenn der Stoffwechsel dieses Bakteriums ohne Sauerstoffzufuhr abläuft produziert es das starke Toxin, das Pferde töten kann. Das benötigte, anaerobe Milieu für die Bildung des Toxins, herrscht z.B. in Tierkadavern oder in stehenden Gewässern. Hier ist auch der pH-Wert für die Entstehung des Nervengiftes günstig: nämlich zwischen 4,5 und 6,5. Besonders gute Bedingungen bieten sich, wenn ein totes Tier wie z.B. eine Maus oder ein Vogel in einen Silageballen mit abgepackt wird. Hier ist es schön warm, kein Sauerstoff dringt ein und das Gift gelangt auf diese Weise in das Futter des Pferdes. Tatsächlich sind so kontaminierte Silageballen die häufigste Ursache für Botulismus.

Symptome

  • erste Symptome treten etwa ein bis vier Tage (ggf. bis zu 16 Tage) nach der Aufnahme von kontaminiertem Futter auf und hängen von der Menge des aufgenommenen Giftes ab
  • Pferd frisst weniger
  • Pferd möchte sich nicht bewegen
  • gesenkter Kopf
  • leichte Koliken
  • das Pferd schwitzt stark
  • Augen- und Nasenausfluss
  • Pupillenreflex ist verzögert
  • Lähmungserscheinungen v.a. im Bereich des Mauls, des Rachens, dadurch Beschwerden beim Kauen und Schlucken (manchmal hängt die Zunge aus dem Maul), starker Speichelfluss oder aufgenommenes Wasser läuft zu den Nüstern wieder heraus
  • Verschlucken und als Sekundärinfektion Lungenentzündung durch in die Lunge gelangtes Wasser oder Futter
  • verminderter Kotabsatz
  • der Schweif des Pferdes ist gelähmt
  • Sehstörungen
  • Darmtätigkeit und Harnabsatz vermindert oder ausgesetzt
  • das Pferd kann nicht mehr stehen, zwingt man es hoch, zeigt es umkoordinierte Bewegungen, eine starke Beugung der Zehengelenke (Überköten) und Ataxien
  • Festliegen, Ataxien und Atemstillstand oder Herzversagen
  • das Pferd bevorzugt beim Hinlegen zunächst die Brustlage mit dem auf dem Boden ruhenden Kopf. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto stärker wird die Lungenatmung beeinträchtigt. Dann legt sich das Pferd auf die Seite um besser in den Bauch zu atmen.
  • trotz der schweren Krankheitssymptome zeigen betroffene Pferde weder Fieber noch Schmerzen oder Bewusstseinsstörungen

Diagnose:

Eine eindeutige Diagnose kann nur über eine Kombination aus den Symptomen, die das Pferd zeigt und den Nachweis der entsprechenden Botulismus-Gifte gestellt werden. Das geht nur durch Versuche an Mäusen. Die Maus bekommt dazu Blut oder Magen-Darm-Inhalt des betroffenen Pferdes injiziert. Ist das Pferd an Botulismus erkrankt, stirbt die Maus nach kurzer Zeit. Ihre Taille verjüngt sich zuvor wie bei einer Wespe. Dieser Tierversuch kann zwar auch anzeigen, welches Botulismus-Gift neutralisiert werden muss, dauert aber zu lange. Würde sein Ergebnis abgewartet, könnte das Gegengift nicht mehr wirken. Außerdem sind Pferde sehr viel sensibler für das Gift als Mäuse, so dass in manchen Fällen auch der Mäusetest kein Ergebnis bringt, obwohl das Pferd erkrankt ist.

 

botulismus

Behandlung:

Die Behandlung erfolgt meist symptomatisch. Je nach Schweregrad der Erkrankung kann der Tierarzt entscheiden, ob Infusionen oder eine künstliche Ernährung Sinn machen und damit das Pferd noch gerettet werden kann. Häufig legen sich die Pferde hin. Es ist wichtig, dass sie dann trotzdem ihre Liegeposition verändern (also zwischendurch immer wieder aufstehen), damit Liegewunden und damit verbundene Folgeinfektionen durch Bakterien zu vermeiden. Auch Antibiotika können bei der Vorbeugung solcher Sekundärinfektionen helfen. Häufig ist bei betroffenen Pferden die Harnblase gelähmt. Damit sie nicht reisst weil sie prall gefüllt ist, kann der Tierarzt einen Harnblasenkatheter legen.

Die besten Chancen hat das Pferd wenn die Symptome noch nicht stark sind und der Tierarzt ein Botulismus-Antitoxin verabreichen kann. Aktuell ist ein solches Gegengift auf dem deutschen Markt allerdings nicht erhältlich. Ein wirksames Gegengift ist zudem sehr teuer. Es kann den Pferdebesitzer durchaus bis zu 5000 Euro kosten. Es kommt aus der Humanmedizin und wirkt zudem nur gegen bestimmte Typen von Botulinus-Toxinen. 

Ist der Krankheitsverlauf schwer und hat sich das Tier z.B. schon in der Box festgelegen, sollte man sich überlegen, das Pferd einzuschläfern bevor es noch lange leidet und an einer Atemlähmung oder einem Herzstillstand verendet.

Prognose:

Die Prognose bei Botulismus ist beim Pferd sehr ungünstig. Meistens verläuft die Krankheit tödlich. Deshalb ist es sehr wichtig, dass vorbeugende Maßnahmen helfen, die Krankheit von vornherein zu vermeiden. Wenn es doch zu einer Erkrankung kommt, ist es wichtig, dass die Symptome möglichst früh erkannt und richtig zugeordnet werden. Nur dann kann noch rechtzeitig ein Botulismus-Antitoxin verabreicht werden, dass das Gift im Körper bindet und so neutralisieren kann bevor es die Nervenzellen befällt. Hat das Gift sich schon mit den Rezeptoren der Nervenzellen verbunden, kann es nicht mehr neutralisiert werden. Je mehr Gift das Pferd aufgenommen hat, desto schwerwiegender ist der Krankheitsverlauf. Da die Symptome eines Botulismus durchaus auch für Symptome anderer Erkrankungen gehalten werden können ist die sofortige Verständigung eines Tierarztes, sobald ein Verdacht besteht, von höchster Priorität.

Vorbeugung:

Botulismus ist praktisch nicht heilbar. Botulismus kann man durch einige Maßnahmen vorbeugen, so dass eine Erkrankung möglichst vermieden wird.

  1. ausschließlich einwandfreie, qualitativ hochwertige Silage oder Heu verfüttern (fast immer ist kontaminierte Silage der Auslöser für Botulismus). Die Herstellung von Raufutter sollte von einem Fachmann nach den geltenden Vorschriften durchgeführt worden sein. Ist man nicht sicher, ob die Qualität stimmt, sollte man sich zur Sicherheit von jemand Fachkundigem beraten lassen.
  2. Auch die Tränken und das Wasser sollten regelmäßig überprüft werden, da auch hier Clostridien ein günstiges Milieu vorfinden können.
  3. Bekämpfung von eventuell vorhandenen Schafnagern (Katzen sind daher ideale Stallbewohner) und regelmäßige Kontrolle der Futtermittel, der Weide und der Box auf Tierkadaver und Verschmutzungen
  4. Hühner haben in der Nähe von Heu und Stroh sowie Weiden von Pferden nichts zu suchen, da Geflügelmist offenbar die Ausbreitung von Clostridium botulinum begünstigt.
  5. Wird ein Tierkadaver im Umfeld des Futters gefunden, muss das Futter möglichst vollständig entsorgt werden, da die Botulinumtoxine in das den Kadaver umgebende Futtermittel übergehen können.
  6. Kontaminiertes Futter wie auch Silage, die nicht mehr für gut befunden wurde, dürfen nicht auf dem Misthaufen entsorgt werden. Da die Clostridien sich sonst weiter verbreiten  könnten, muss verdächtiges Futter verbrannt werden.
  7. Bei Verdacht auf Botulismus darf das die Krankheit eventuell verursachende Futter auf keinen Fall weiter gefüttert werden.
  8. In den USA und der Schweiz gibt es einen Impfstoff. Da es aber verschiedene Botulismus- Toxin-Typen gibt, die Botulismus verursachen, ist eine wirklich gezielte Impfung schwierig. In Deutschland gibt es bisher keine zugelassenen Impfstoffe gegen Botulismus

Quellen: Tierärztliche Praxis für Pferde Dr. med. vet. Inka Keeling, enpevet, barnbox

Text: Agnes Trosse

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