Strahlpilz- „Fußpilz“ bereitet Pferden Schmerzen

Wußten Sie, dass Pferde an Stahlpilz erkranken können? Nicht? Ich war auch bis vor kurzem noch ahnungslos. Dabei ist Stahlpilz eine recht verbreitete Erkrankung der Pferdehufe, die aber bisher noch selten besprochen und daher relativ unbekannt ist. Das schlimme daran: Strahlpilz ist gerade im Bereich der Ballen sehr schmerzhaft für das Pferd. Viele Fehlbelastungen, Schmerzreaktionen und rätselhafte Rittigkeitsprobleme können durch diese Krankheit verursacht werden. Um dem Schmerz zu entgehen, wird ein betroffenes Pferd versuchen, mit der Zehe aufzuhufen und so unangenehmen Druck auf dem Ballen zu vermeiden. Bei einem gesunden Pferd mit einem intakten Immunsystem und einer aufgrund eines optimalen Hufmechanismus guten Durchblutung der Hufstrukturen, hat Stahlpilz eigentlich keine Chance. Pilze vermehren sich besonders gut in feuchtwarmer Umgebung. Sind Huf und Immunsystem des Pferdes geschwächt, finden Pilze, die überall in der Umgebung des Pferdes vorkommen, hervorragende Lebensbedingungen. Das kann durch falsche Fütterung, Stress, eine andere Grunderkrankung, durch zu wenig Bewegung oder eine falsche Hufbearbeitung der Fall sein. Die Pilze nisten sich in kleinen Furchen im Huf ein, und können sich nun nach Lust und Laune vermehren. Ein Strahlpilz sollte immer behandelt werden, denn er kann aufgrund der Schmerzen die er verursacht zu weiterreichenden Schäden führen.

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10 Tipps zur Pflege von Hufen- Teil 1

Eine zentrale Bedeutung für die Pferdegesundheit hat der Huf.

„Der ferd hatt fier beiner,
auf jeder saite einer,
und hatt er einmal keiner,
UMFALLT!“

Wer kennt diesen Spruch nicht? Er ist nicht nur lustig sondern beinhaltet eine Wahrheit, die ganz essentiell für unser Pferd ist: Ohne Huf kein Pferd. Als Lauf- und Fluchttier braucht das Pferd vier gesunde, gut ausbalancierte Hufe auf die es sich verlassen kann. Diese dienen ihm

  • als Fundament für seinen Körper
  • als Stossdämpfung
  • als Schuhe
  • als zusätzliche „Blutpumpen“, die die Funktion des verhältnismäßig kleinen Herzens unterstützen
  • als Unterstützung für alle Strukturen im Körper, die an der Bewegung beteiligt sind

Ein gutes Hufmanagement besteht aus drei elementaren Bausteinen:

  1. der artgerechten Haltung
  2. der artgerechten, regelmäßigen und individuell abgestimmten Hufbearbeitung durch einen Fachmann
  3. der richtigen Pflege und Hygiene

Hakt es hier irgendwo, kann das zu Lahmheiten, Unrittigkeit und auch zu inneren Erkrankungen führen. Unerkannt ist das dann schnell das Aus für die Reitpferdekarriere und mit schmerzhaften Hufen ist auch das Rentnerdasein auf der Wiese ein eher zweifelhaftes Vergnügen.

Wir haben Ihnen hier deshalb 10 Tipps für das Hufmanagement Ihres Pferdes zusammengestellt:

1. Reinigung

Pferdehufe müssen täglich gesäubert werden. Das heißt: Mit einem Hufkratzer und einer Huf-Bürste wird mindestens vor und nach der Arbeit das Innere und das Äußere des Hufes von Schmutz, Matsch, Sand oder kleinen Steinchen befreit. Dabei darf der empfindliche Strahl nicht verletzt werden. Ist aller Dreck herausgekratzt, kann der Huf innen und außen auf Verletzungen überprüft werden. Bei Pferden mit Hufeisen sollten Sie auch überprüfen, ob die Eisen noch fest sitzen. Bei Pferden, die barhuf durchs Leben gehen, sollten Sie darauf achten, dass keine scharfen Kanten entstehen oder Ecken herausbrechen. Diese sollten zeitnah geglättet werden. 

2. Futter:

Im Artikel „Der Feuchtigkeitshaushalt des Hufes“ haben wir gelernt, dass dieser von innen heraus reguliert wird. Damit das gut klappt, müssen die Vitalfunktionen intakt sein. Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Proteinen, Mineralien, Vitaminen und Fettsäuren ist daher unerlässlich. Das Verhältnis der einzelnen Elemente zueinander sollte auch stimmen. Hufe können z.B. schnell brüchig werden, wenn die Zinkaufnahme im Stoffwechsel gestört ist. Bei zuviel Zink kommt es wiederum zu Mangelerscheinungen an anderer Stelle, die sich z.B. durch Risse im Huf bemerkbar machen können. Eine ausgewogene Ernährung ist also das Non-Plus-Ultra in der Hufpflege. Ganz oben auf dem Speiseplan sollte dafür qualitativ hochwertiges Heu stehen.  Heu zur freien Verfügung und ein sinnvolles ergänzendes Mineralfutter bietet den meisten Freizeitpferden alles, was sie für eine gesunde Hornbildung benötigen. Eine zusätzliche genau auf das tägliche Training abgestimmte Futterration mit oder ohne Getreide bietet auch sportlich stärker geforderten Pferden die Grundlage für festes „Schuhwerk“. Bei Problemhufen kann die Zugabe von Biotin oder Schwefel hilfreich sein.

3. Hygiene im Stall                                                                                                                                                                   

Die Hygiene im Stall und im Auslauf wie auch auf der Weide ist nicht zuletzt auch wegen der Hufgesundheit sehr wichtig. Ammoniak in der Box schadet nicht nur der Lunge und der Haut des Pferdes sondern greift auch das empfindliche Hufhorn schnell an. Ebenso sind ständig unter Wasser stehende Paddocks und matschige Koppeln nicht besonders förderlich für die Hufgesundheit. Es ist daher wichtig, dass Boxen regelmäßig von Pferdeäpfeln und nassen Stellen befreit werden, dass die Einstreu sauber und trocken ist und dass eine vernünftige Drainage für trockene Füße auf dem Paddock sorgt. Ist die Wiese sehr matschig, macht es wenig Sinn das Pferd grasen zu lassen, da es zum einen die Grasnarbe zerstört und zum anderen auch hier Hufinfektionen entstehen können. Dann kann schnell Strahlfäule entstehen (Lesen Sie HIER mehr zum Thema Strahlfäule) und auch Pilzinfektionen haben leichtes Spiel. 

Hufe_2

Matschige Paddocks und Wiesen lassen schnell Strahlfäule oder andere Hufinfektionen entstehen.

4. Hufbearbeitung

Bei einem beschlagenen Pferd sollte alle sechs bis acht Wochen der Hufschmied kommen und es neu beschlagen. Dabei werden die Eisen abgenommen, das seit dem letzten Beschlag nachgewachsene Horn wird gekürzt, der Huf wird wieder in Form gebracht und anschließend wird ein neu angepasstes Eisen befestigt. Dass die Hufe so bearbeitet werden ist sehr wichtig, damit das Pferd weiterhin schmerzfrei und ausbalanciert laufen kann.

Ist Ihr Pferd beschlagen, überprüfen Sie täglich beim Reinigen der Hufe und vor allem vor und nach dem Reiten oder anderen Aktivitäten, ob noch alle Eisen fest sitzen. Hat Ihr Pferd ein Eisen verloren, ist das Reiten bis der Hufschmied es wieder angebracht hat, tabu. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden einen Schuh verlieren und sollten dann noch mit Rucksack auf dem Rücken Gymnastikübungen durchführen, Joggen gehen oder Hürdenlaufen. Kein schöner Gedanke. Und Ihrem Rücken würde die ungleiche Nutzung Ihrer Füße auch keinen Gefallen tun.

Geht das Pferd „barhuf“ durchs Leben, müssen auch hier in bestimmten, individuellen Abständen die Hufe ausgeschnitten und begradigt werden, um ein gleichmäßiges Hufwachstum und eine optimale Huffunktion. Die Abstände zwischen den Terminen bestimmen Abnutzung, Hufwachstum und Hufstellung. 

5. Fett und Öl                                                                                                                                                                         

Damit der Feuchtigkeitshaushalt der Hufe nicht gestört wird, können wir die Hufe vor dem Austrocknen schützen. Wir wissen aus dem Artikel „Der Feuchtigkeitshaushalt des Hufes“, dass die oberste Hornschicht des Wandhorns besonders stabil ist und den Huf so schon vor dem Austrocknen schützt. Wird diese oberste Wandschicht z.B. bei der Hufbearbeitung, bei häufigem Laufen in tiefem Sandboden oder durch langes Stehen in der Box beschädigt, können atmungsaktive Öle den Huf schützen. Sie schützen das Hufhorn auch dort wo die Nagellöcher beim Beschlag sitzen. Die Fettschicht wirkt wasserabweisend und kann so z.B. auch im Sommer vom Duschen aufgetragen werden. Dann kann das Hufhorn nicht so stark vom Wasser angegriffen werden. Huffett oder Huföl bietet also dieselben Vorteile wie eine Handcreme. Im Winter kann auch die Huf-Unterseite mit einem Pflegebalsam oder einer Hufsalbe eingestrichen werden. Und auch die Pflege des Kronrandes mit entsprechenden dafür vorgesehenen Pflegecremes (z.B. mit Lorbeer-Öl) verbessert die Hufgesundheit.

 

TEIL 2 dieses Artikels lesen Sie HIER. (folgt in der nächsten Woche)


 

Autor: Agnes Trosse

 

 

 

 

Der Feuchtigkeitshaushalt des Hufes

Die meisten Veröffentlichungen zum Thema Hufpflege gehen davon aus, dass Pferdehufe Wasser aufnehmen und speichern können.

„Tägliches Waschen schadet dem Huf nicht. Jedoch sollte das Waschen schonend für die Glasurschicht erfolgen. Durch harte Bürsten oder durch Scheuern mit Sand wird sie zerstört. Das Hufhorn ist quellfähig und wird nach Feuchtigkeitsaufnahme elastischer. Um das Austrocknen zu verhindern, sollten die Hufe nach dem Waschen und Abtrocknen eingefettet werden.“ Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, FN Verlag, 13. Auflage 2006

Deswegen wird fleißig gewässert und anschließend mit mehr oder weniger Erfolg Huffett aufgebracht, besteht doch der Glaube, dass das Huffett das nun in den Huf gelangte Wasser darin bindet indem es eine Schutzschicht gegen dessen Verdunstung darstellt. So wähnt sich der Pferdebesitzer auf der sicheren Seite: Der Feuchtigkeitshaushalt des Pferdehufes ist nun gesichert.

Oder etwa nicht?

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Strahlfäule

Der Huf riecht innen faulig. Der Strahl ist dunkel gefärbt und mit dem Hufkratzer kann man einen schmierigen Belag abkratzen. Wenn der Huf Ihres Pferdes von unten so aussieht, dann hat Ihr Pferd Strahlfäule. Das ist im Anfangsstadium noch nicht so schlimm, sofern die Strahlfäule bald behandelt wird und die Ursachen abgestellt werden. Mit Strahlfäule ist aber nicht zu spaßen. Unbehandelt kann sie bis in durchblutetes Gewebe vordringen, starke Schmerzen verursachen und zur Blutvergiftung führen. Eine andere schlimme Folge von unbehandelter Strahlfäule ist der sog. Hufkrebs. Ihn zu behandeln ist sehr schwierig, langwierig und nicht immer erfolgreich.

Lahmheiten, aussergewöhnlich ausgeprägte Fühligkeit oder hartnäckig verformte Hufe – Auch all diese Probleme können auf Strahlfäule zurück- zuführen sein. So muss z.B. bei Verdacht auf eine Erkrankung der Hufrolle auch überprüft werden, ob das Pferd nicht vielleicht einfach an starker Strahlfäule leidet.

Der Strahl des Pferdehufes

Der gesunde Strahl des Pferdehufes ist deutlich sichtbar in der Mitte der Sohle im Huf. Je nach Bodenverhältnissen liegt er etwa auf Höhe des Tragrandes. Der mittlere etwas abgesenkte Teil des Strahls wird „mittlere Stahlfurche“ genannt. Diese wird seitlich von den Stahlschenkeln und nach oben vom Hornballen begrenzt. Links und rechts des spitz nach unten zulaufenden Strahls befinden sich die seitlichen Furchen.


Ursachen:

  • Bakterien, die am besten unter Ausschluss von Sauerstoff gedeihen, setzen sich in das Hufhorn und zersetzen es.
  • mangelnde Bewegung
  • unhygienische Bedingungen: matschige Paddocks und Weiden, die selten abgeäppelt werden oder die ungenügend gepflegte Matratzenhaltung in der Box
  • Reste von Mist und Urin
  • schlechte Hufform- und Bearbeitung
  • Hufbeschlag bei dem der Hufmechanismus behindert wird, weil der Strahl den Boden nicht berührt
  • zu starkes Beschneiden durch den Schmied
  • evtl. Entgiftungsprozesse bei Krankheiten oder starker Medikamentengabe

Symptome:

  • fauliger Geruch
  • dunkle Färbung des sich zersetzenden Hornes
  • Horn wird schmierig
  •  Spalten entstehen im Horn und im Strahl. Diese Spalten können sich bis in den Ballen hochziehen
  • der Strahl schrumpft
  • der Strahl wirkt zersetzt und faserig
  • der Bereich des Strahls wird immer empfindlicher
  •  eventuell bilden sich kleine Hornkringel am Ballen in der Fortführung der Strahlfurche
  •  der Ballen wird ebenfalls empfindlich
  • das Pferd kann Lahmheiten zeigen (aufgrund der besonders schmerzhaften tiefen mittleren Stahlfurchen)
  • die Hufform verändert sich bei länger bestehender Strahlfäule: Die Hufe werden im Bereich der Trachten immer enger

Risikopatienten:

  • Boxenpferde
  • Pferde mit Bockhufen haben meist eine stark gewölbte Sohle und sind deshalb anfälliger für Strahlfäule
  • Pferde mit engen Hufen, weil enge, tiefe Strahlfurchen schlecht zu reinigen sind

Behandlung:

Um Strahlfäule nachhaltig zu behandeln, sollten Sie wie schon erwähnt auf eine gute Stallhygiene achten. Außerdem ist eine individuell angepasste, ausbalancierte und physiologisch korrekte Hufstellung, bei der der Hufmechanismus nicht gestört wird, unerlässlich, sowie die tägliche Bewegung. Strahlfäule kann nämlich auch entstehen, wenn das Pferd zu wenig bewegt wird. Ist es doch einmal so weit gekommen und Ihr Pferd hat eine Strahlfäule, dann können Sie es auf folgende Weise behandeln:

  • alle fauligen Bereiche des Strahls müssen vor der Behandlung weitestgehend vom Schmied oder Hufpfleger entfernt werden, das gilt auch für tiefe Spalten und Ritzen
  • alle gesunden Bereiche bleiben erhalten auch wenn das Ergebnis dann unregelmäßig aussieht
  • nun wird der Strahl täglich mit Wasser, Seife und einer harten Bürste gereinigt (das kann bei leichten Fällen schon ausreichen. Bei schwierigeren Fällen ist dieses Vorgehen als Vorbereitung für die weitere Behandlung zu sehen).
  • tiefe Ritzen und Taschen müssen mit Mull und einem desinfizierenden Strahlfäulemittel tamponiert werden (Achtung: Das kann für das Pferd schmerzhaft sein). Das Tamponieren wird täglich wiederholt, bis die tiefen Ritzen und Taschen in der Strahlfurche verschwunden sind.
  • alle infizierten Bereiche des Strahl werden mit dem Strahlfäulemittel behandelt (zum Auftragen eigenen sich z.B. eine Spritze oder eine Flasche mit spitzer Tülle)
  • zeigt sich keine Besserung, muss entweder das Strahlfäulemittel gewechselt werden oder ein Tierarzt muss eine Probe untersuchen und ein geeignetes Mittel verschreiben

Bis die Strahlfäule dauerhaft  ausgeheilt ist, können durchaus Wochen oder Monate vergehen. Die Behandlung muss so lange anhalten, bis das letzte von Fäulnis angegriffene Hufhorn herausgewachsen ist.

Hufe_1

Der Huf sollte vor der Behandlung mit Wasser und Seife gründlich gereinigt werden.


Strahlfäule behandeln kann man sehr gut mit:


Vorbeugen:

  • ein gutes Stallmanagement mit sorgfältigem täglichem Misten
  • nach der Arbeit können trockene Erde oder Sand in den Pferdehufen belassen werden, wenn das Pferd in die Box oder auf das Paddock im Offenstall kommt. Sie können den Strahl trocken halten
  • die Hufform des Pferdes sollte soweit verbessert werden, dass die mittlere Stahlfurche offen bleibt und der Hufmechanismus nicht gestört wird

Quellen:

  • Wunderwerk Huf von Dr Tina Gottwald, 3. Auflage
  • Cavallo Medizin Kompendium März 2013

Autor: Agnes Trosse