Pferdefütterung im Winter

Da Pferde sich in der Regel niedrigen Temperaturen gut anpassen können, beeinträchtigt kaltes und nasses Wetter sie kaum. Das heißt allerdings nicht, dass sie nicht hinsichtlich der Fütterung auf den Winter vorbereitet werden sollten. Ein grundsätzlicher Überblick über den Energieaustausch (entstehende Wärme im Körper durch Stoffwechselvorgänge) soll helfen zu erklären, warum ein bestimmtes Fütterungsmanagement während des Winters notwendig ist. Eine Wärmebilanz aufzustellen, ist hier wohl der einfachste Weg um die die Wirkung von Kälte auf ein Pferd zu verstehen. Dabei geht es um das Wärme- oder Energiegleichgewicht beziehungsweise den Unterschied zwischen Wärmeverlust und Wärmegewinn über einen bestimmten Zeitraum.

Ist der Wärmeverlust größer als der Wärmegewinn, verliert das Pferd an Gewicht. Ist der Wärmegewinn in einer bestimmten Zeit höher als der Wärmeverlust, nimmt das Pferd an Gewicht zu. Bei kaltem Wetter erfolgt der wichtigste Verlust an Wärme an die Umgebungsluft. Denn je kälter die Luft um das Pferd herum ist, umso größer ist in der Regel der Wärmeverlust. Nicht zu vergessen: die größte Wärmeenergiequelle ist das Futter, da es Kalorien liefert, die in Wärme umgewandelt werden. Weitere kleinere Wärmequellen sind die Aktivität der Muskeln, Sonneneinstrahlung, die Wärme im Stall und überdachten Hallen durch kleine Heizkörper, Lampen oder Pferdesolarien.

Besonders wichtig für die Winterfütterung ist ein qualitativ hochwertiges und mengenmäßig angepasstes Raufutterangebot. Die Weide ist im Winter als eher kleine zusätzliche Futterquelle zu betrachten, da Pflanzen in der kalten Jahreszeit nährstoffarmer sind und der Erhaltungsbedarf des Pferdes bei kälteren Temperaturen auf bis zu 40 Prozent steigt. Pferde reagieren auf zweierlei Weise auf Kälte: zum einen sofort und zum anderen adaptiv oder durch Akklimatisierung. Dabei ist die Änderung ihres Verhaltens als Antwort auf eine abrupte Temperaturänderung zu verstehen. Sie suchen einen wind- und kältegeschützten Ort oder die direkte Nähe zu Artgenossen, um Wärmeverlust zu vermeiden. Sie hören auf, nach Futter zu suchen und bleiben stehen, um den Energieverbrauch zu senken.

Bei Pferden, die nicht geschoren sind, bildet sich eine wärmende Luftisolierschicht dadurch, dass sich das Fell aufstellt und die Haartiefe wirksam vergrößert wird. Sind Pferde dauerhaft kaltem Wetter ausgesetzt, akklimatisieren sie sich langfristig, indem sie ein entsprechend langes und dichtes Fell ausbilden oder Körpertemperatur und Atemfrequenz leicht senken. Um sich auf einen Temperaturabfall der durchschnittlichen Tagestemperatur von ca. 10 bis 15 Grad einzustellen, benötigen Pferde 10 bis 20 Tage.

Um mit der Kälte zurechtzukommen benötigen Pferde der meisten Rassen einen zusätzlichen Schutz oder besonderes Futter ab ca. -15 Grad – bei jungen Pferden im Wachstum ab ca. -10 Grad. Ausreichendes Qualitätsfutter muss es dem Pferd ermöglichen, adäquat Energie aufzunehmen. Dabei ist gutes Heu zur freien Verfügung am Wichtigsten. Während plötzlicher Kälteeinbrüche können dickere Pferde einige ihrer Fettreserven als Energie mobilisieren. Für alle Pferde gilt, dass sie grundsätzlich so viel fressen, dass der Wärmehaushalt im Gleichgewicht bleibt. Da lagerungsbedingt im Winter die Gehalte von Vitamin A, D, und E in den Futtermitteln sinken, sollte auf der Basis der Heuanalyse ein passendes Mineralfutter zugefüttert werden. Dabei muss bei der Ergänzung mit Getreide berücksichtigt werden, dass die Darmflora sieben bis zehn Tage benötigt, um sich auf die veränderte Ration einzustellen.

Da Wasser hilft, den Appetit und die verdauungsfördernden Funktionen beizubehalten, muss leicht erwärmtes Wasser (mindestens 10 Grad) immer zur Verfügung stehen. Hinweis: Schnee ist kein geeigneter Ersatz. Ein erwachsenes Pferd sollte pro Minusgrad unter -15 Grad weitere 2 Prozent mehr Energie zur Verfügung gestellt bekommen. Als Beispiel bedeutet das, dass ein gesundes Pferd mit 500 Kilogramm Körpermasse bei -20 Grad ca. 1 bis 2 Kilogramm zusätzliches Heu pro Tag benötigt. Bei einer geschlossenen Schneedecke kann der saubere Untergrund gut für die Verteilung des Heus auf der gesamten Fläche genutzt werden. In einem Stall oder Unterstand behalten Pferde bis zu 20 Prozent mehr ihrer Körperwärme als in freier Umgebung. Dabei ist ein Unterstand erst schützend, wenn er dreiseitig geschlossen und mindestens 8 Meter tief ist.

Auch wenn es etwas mehr Geld kostet, Pferde im Winter bedarfsgerecht zu ernähren ist es immer noch sinnvoller als durch Mängel resultierende Folgeerkrankungen in Kauf zu nehmen. Denn unterernährte Hengste verlieren möglicherweise die Fähigkeit, gute Samenflüssigkeit zu produzieren; sehr dünne Zuchtstuten haben eine niedrige Konzeptionsrate und unterernährte Jährlinge bleiben langfristig in ihrer Entwicklung zurück. Eine mengenangepasste Zufütterung im Winter ist also in fast jedem Fall erforderlich.


Quelle: Pferdefütterung nach Maß, Dr. Kathrin Irgang und Klaus Lübker, Cadmos Verlag

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