Artischocke

Die Artischocke ist eine bis zu 2 Meter hohe diestelartige Pflanze, die bereits in der römischen Antike für Ihre Wirkung bekannt war. Sie besitzt große Blätter und blau-violette Blüten. Diese Blüten und der fleischige Blütenboden sind als leicht bitteres Gemüse bekannt und in vielen Küchen geschätzt. Für Pferde können die Blätter der Artischocke eine unterstützende Wirkung aufweisen, wenn es um Erkrankungen der Leber, Niere oder Galle geht. Dabei wirkt die Artischocke harntreibend und lipidsenkend an. Da bei einer Erkrankung der Leber oftmals Nährstoffimbalancen und Mangelsituationen von bestimmten Nährstoffen auftreten, sollten bei der Lebertherapie genau diese ausgeglichen werden um keine weiteren Leberzellen zu schädigen. Die Zugabe von Artischocken dient der Leberentgiftung und regt den Gallenfluss an.


Lateinischer Name: Cynara scolymus

Familie: Korbblütler (Asteraceae)

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (Cynarin), Vitamine A, C, E, Flavonoide, Enzyme (leicht antidiabetisch), CCS (Caffeeolylchinasäure) werden nur in der Teezubereitung gelöst, wichtig für die Wirkung.

Anwendung: Bei Blähungen und Gasansammlungen im Darm, Funktionsstörungen im Bereich der Leber, Appetitlosigkeit, Prophylaxe und Therapie von Gefäßerkrankungen, Vergiftung der Leber und zur Unterstützung des Leberstoffwechsels, mangelnder Sekretion der Verdauungsdrüsen sowie beim metabolischen Syndrom (begleitend)


Wirkungsweise:

  • Anregung der Gallenproduktion
  • Anregung der Gallenausschüttung
  • Lebervergiftung bekämpfend
  • lipidsenkend
  • harntreibend

Info: Nach einem sehr reichhaltigen Essen sollten Sie einen alkoholfreien Kräuterbitter aus dem Reformhaus genießen. Er enthält Artischocke und andere Kräuter, die die Fettverdauung unterstützen.

Atypische Weidemyopathie- rätselhafte Todesfälle bei Pferden

(auch atypische Weidemyoglobinurie)

Mit Schrecken lesen wir immer wieder von rätselhaften Todesfällen bei Weidepferden. Wissenschaftler der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg forschten nach der Ursache für die gefürchtete „Atypische Weidemyopathie“ und sind offenbar fündig geworden.

Bei der Atypischen Weidemyopathie handelt es sich um eine zumeist im Herbst auftretende Erkrankung, die Herz- und Skelettmuskelzellen von Pferden zerstört. Die Krankheit wurde 1939 erstmals erwähnt. Damals war sie in Wales aufgetreten. 1995/96 gab es die ersten Fälle in Deutschland. Seitdem tritt die Erkrankung jedes Jahr hierzulande auf. 2013 starben über 500 Pferde in Deutschland und über 1000 Pferde weltweit an der Atypischen Weidemyopathie (Zahlen-Quelle: www.doris-lenzen.de)

Ursachen:

Ganz sicher sind sich die Forscher noch nicht, was die Ursache der Erkrankung anbetrifft. Seit 2012 kommt aber immer mehr Bewegung in die Ursachenforschung. Beim 15. Pferdeworkshop auf der Burg Warberg, beschrieb Dr. med. vet. Mandy Bochnia von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im September 2014 ihre jüngsten Forschungsergebnisse. Sie kam zu dem Schluss, dass auf allen von ihr untersuchten Weiden mit Todesfällen von Pferden der Berg-Ahorn im direkten oder indirekten Umfeld zu finden war. Auch die Blutparameter der betroffenen Tiere erhärten nun den Verdacht, dass das Hypoglycin A aus dem Berg-Ahornsamen die Vergiftungen verursacht. Was ist Hypoglycin A? Die Substanz wurde erstmalig 1954 aus der Aikeefrucht isoliert und als nicht-proteinogene Aminosäure identifiziert. Diese Aminosäure hat hypoglykaemische also zuckersenkende Eigenschaften. 1958 wurde erstmals eine Vergiftung bei Tieren durch Hypoglycin A beschrieben.  Ausgehend von diesem Wissen, wurde begonnen die Samen des Berg-Ahorns in Zusammenhang mit der Atypischen Weidemyopathie zu untersuchen. Dabei wurde festgestellt, dass Pferde bei der Futtersuche, Bergahornsamen fressen. Nach der Aufnahme der Samen entsteht im Pferdekörper ein giftiges Stoffwechselprodukt namens Methylenecyclopropylaceticacid (MCPA). Dieses Stoffwechselprodukt hemmt die multiple Acyl-CoA Dehydrogenase und behindert dadurch den oxidativen Fettsäureabbau und damit die Energiezufuhr im Körper. Das deckt sich mit Beobachtungen von anderen Forschern in den USA und in Europa, die ebenfalls im Blut betroffener Tiere Hypoglycin A nachwiesen. Auch in Belgien und Holland wurde der Ahorn in der Nähe aller Koppeln gefunden, auf denen Pferde erkrankten.

Krankheitsverlauf:

Erste Anzeichen der Erkrankung können innerhalb weniger Stunden aber auch bis zu 72 Stunden nach Aufnahme der giftigen Substanz auftreten. Im Anfangsstadium zeigt das Pferd Anzeichen einer Kolik. Muskelschwäche und Muskelzittern können beobachtet werden. Steifheit, vermehrtes Schwitzen, schwankender bzw. steifer Gang,  vermehrtes Liegen sowie Apathie bis hin zur Somnolenz sind weitere Anzeichen der Vergiftung. Im weiteren Verlauf erhöhen sich der Puls und die Atemfrequenz. Das Pferd schwitzt auffallend stark, die Blutwerte CK und LDH sind zu diesem Zeitpunkt tausendfach erhöht. Das Pferd steht mit gesenkter Kopf-Hals-Haltung, neigt zum Festliegen und hat Kau- und Schluckbeschwerden. Der Harnabsatz fällt ihm trotz gefüllter Harnblase schwer, es kann zur Harnblasenlähmung kommen. Der Harn ist rotbraun bis kaffeebraun gefärbt, der Absatz erfolgt dann meist erst nach dem Tod des Pferdes  (durch Zerstörung der Muskulatur wird Myoglobin ausgeschieden).  Im letzten Krankheitsstadium kommt es meist zum Festliegen mit rudernden Beinbewegungen und dann zum Tod. Dieser tritt in der Regel nach 12-72 Stunden ein.

Prognose:

Die Sterblichkeit bei der Atypischen Weidemyopathie liegt bei 75 bis 90 Prozent innerhalb von bis zu 72 Stunden nach den ersten Symptomen durch Atemstillstand oder Herzversagen. Einige Pferde überleben. Dabei kann es aber sein, dass das Tier für den Rest seines Lebens an den Muskelschäden, die die Krankheit verursacht, leidet. Nur wenn Herz und Nieren nicht zu stark beeinträchtigt sind, kann sich das Pferd wieder erholen. Ob es wieder geritten werden kann, hängt vom Grad der Schäden ab. In seltenen Fällen erholen sich die Pferde wieder.

Risikopatienten/ Risikofaktoren:

  • häufig nach großen Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht (frostige Nächte)
  • häufig sind die Weiden, auf denen die Krankheit auftritt abgemagert und stark verbissen
  • die Pferde haben meist 24h Weidegang bis in den Spätherbst  ohne weitere Zufütterung
  • häufiger sind Jungpferde bis drei Jahre betroffen
  • männliche Tiere sind häufiger betroffen
  • die Tiere sind meist gut genährt

Vorbeugen:

  1. Weiden auf denen Tiere schon erkrankt sind meiden
  2. Pferde auf Paddocks oder Ausläufe stellen bei ungünstigen Wetterbedingungen im Herbst und Frühjahr
  3. Zufütterung von ausreichend Grobfutter (überdachte Futterraufe! Nicht vom Boden füttern) und Zugang zu einwandfreiem Leitungswasser
  4. Zugang zu einer ausreichenden Mineralversorgung (möglichst Einzeltierfütterung) zur Vermeidung des Fressens von Erde
  5. Weiden mit Bergahorn im Herbst und Frühjahr am besten meiden

Symptome:

im Anfangsstadium:

  • Zeichen einer Kolik, dabei meist normale Darmgeräusche
  • Muskelschwäche
  • Steifheit
  • vermehrtes Schwitzen
  • schwankender bzw. steifer Gang
  • Blutwerte von Muskelenzymkonzentrationen wie z.B. Creatininkinase sind sehr stark erhöht
  • auch Leberwerte und LDH können stark erhöht sein
  • Hypokalzämie (Kalziummangel)

Im weiteren Verlauf:

  • Apathie
  • erhöhter Puls (oft über 100 Schläge pro Minute (normal: 30 bis 40)
  • Körpertemperatur kann erhöht sein oder auch bei normalen 37,5 bis 38,2 Grad Celsius (Pferde unter 2 Jahren: 37,5 bis 38,4 Grad) liegen
  • erhöhte Atemfrequenz (liegt deutlich über den normalen 8 bis 16 Zügen pro Minute)
  • gesenkte Kopf-Hals-Haltung
  • Festliegen, Kau- und Schluckbeschwerden (weil Zungen- und Kaumuskulatur versagen)
  • Harnabsatz beeinträchtigt
  • Harnblase gefüllt mit rotbraun gefärbtem Harn  (durch Zerstörung der Muskulatur wird Myoglobin ausgeschieden)
  • Tod nach 12-72 Stunden

Behandlung durch den Tierarzt:

Erste Maßnahmen:

  • zeigt das Pferd typische Symptome, sollte umgehend der Tierarzt gerufen werden.
  • das Pferd sollte nicht bewegt werden– höchstens zum nächsten Stall oder Unterstand, wo es behandelt werden kann.
  • ist die Körpertemperatur zu niedrig (unter 37 Grad Celsius), halten Sie das Pferd mit Decken warm
  • das Pferd sollte möglichst nicht gefüttert werden, da erkrankte Pferde an Schluckbeschwerden leiden können
  • keine längeren Transporte, diese können die Symptome verstärken. Aus diesem Grund raten viele Experten, das Pferd möglichst zu Hause im Stall behandeln zu lassen und nur in die Klinik zu fahren, wenn eine Intensivbetreuung im Heimatstall nicht möglich ist.

Der Tierarzt wird nach Eintreffen zunächst versuchen die Vergiftungserscheinungen einzudämmen und das Pferd zu stabilisieren. Dabei erhöht eine sofortige Behandlung die Überlebenschance.

Behandlung der Symptome:

  • Infusionen zur Spülung der Nieren und zum Ausgleich des Elektrolythaushalts (wichtig, da die Vergiftung auch einen starken Kalziummangel verursachen kann)
  • Schmerzmittel, wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend
  • Acepromazin ist ein Neuroleptikum und Sedativum. Es verbessert die Durchblutung und beschleunigt so den Muskelstoffwechsel und damit den Abtransport von zerfallenen Zellen aus dem Körper
  • bei Stress und starken Schmerzen entstehen sehr schnell starke Magengeschwüre, diese werden mit Omeprazol behandelt, um die die angegriffene Magenschleimhaut zu schützen
  • viele Tierärzte setzen zusätzlich  Vitamin-E- und Selen-Präparate ein. Ob diese hilfreich sind, ist bisher nicht erwiesen.

Alternative Behandlung + Besonderheiten bei der Fütterung:

Auch wenn Symptome wie Muskelschmerzen, entzündete Nieren, Schwäche, Atemnot und erhöhte Herzfrequenz mit alternativen Methoden behandelt werden können, sollte in diesem Fall höchste Alarmbereitschaft gelten und sofort der Tierarzt geholt werden. Jede Minute zählt, da die Sterblichkeit bei dieser Krankheit sehr hoch ist, sollte nicht mit Fütterung oder homöopathischer Behandlung experimentiert werden. Dr Mandy Bochnia empfiehlt vorbeugend, darauf zu achten, dass auch bei der Weidehaltung die Deckung der Mengen- und Spurenelemente über die Fütterung von Wiesenheu ausreichend gedeckt werden. Außerdem sollte den Pferden immer ein Salzeckstein zur freien Verfügung stehen. Zink sollte insbesondere zu Zeiten des Fellwechsels vornehmlich zusammen mit Biotin ergänzt werden.

Quellen:

  1. Dr. med. vet. Mandy Bochnia, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Vortrag vom 27.09.2014 im Rahmen des 15. Pferdeworkshops auf der Burg Warberg
  2. CAVALLO Medizinkompendium, November 2013