Kotwasser- und was nun?

Stute Trixie hebt den Schweif. Doch bevor die Pferdeäpfel purzeln, läuft ihr braunes Wasser die Hinterbeine herunter. Trixie produziert, wie viele andere Pferde auch, große Mengen an Kotwasser. Abgesehen davon, dass Trixies Besitzerin Anna es nicht so schön findet, jeden Tag die Hinterbeine und den Schweif der Stute zu waschen, verursacht die braune Brühe auch noch Hautreizungen und Wunden. Im Winter ist das besonders schlimm. Da kann Trixie bei Minustemperaturen nicht gewaschen werden und das Fell an den Hinterbeinen verklebt und trocknet nicht richtig.

IMG_5001

Doch woher kommt dieses „Kotwasser“ eigentlich und was kann man als Pferdebesitzer tun, damit es aufhört ?

Studien belegen, dass es verschiedenste Ursachen für die Kotwasser-Problematik gibt.
So nehmen psychischer und physischer Stress, Fütterung und Übersäuerung ebenso Einfluss auf den Verdauungstrakt des Pferdes wie beim Menschen.

1. Silage-Fütterung
Eventuell sind Stickstoffverbindungen in der Silage schuld daran, dass Kotwasser gebildet wird. Hier sollte ein Wechsel von Silage zu Heu stattfinden. Zum Heu können Bierhefe (z.B. Granutop) und Rübenschnitzel (z.B. Dodson & Horrel Kwik Beet) gefüttert werden. Auch Lignocellulose (z.B. Tierwohl ACG) oder Sojabohnenschalen als Kur sorgen dafür, dass sich Kotwasser kurzfristig bessert.

2. Heu-Fütterung
Manche Pferde vertragen holzigeres Heu nicht. Gerade bei ad libitum Heufütterung kann dies problematisch werden. Die Toleranz ist dabei unterschiedlich groß. Manches Pferd verträgt schon ein gut gelagertes grünes und langstängeliges Heu nicht. Neben Kotwasser kommt es dann häufig auch zu Fehlgärungen und Aufgasungen.

Fütterungsversuche mit verschiedenen Heuqualitäten haben dabei ergeben, dass sich die Kotwasser-Problematik in dem Fall durch blattreiches, nährstoffärmeres Heu aus dem späten zweiten Schnitt, beheben lässt.

IMG_5033

3. Pferdefutter 

Gerade bei Kotwasserpferden sollten Sie auf eine ausreichende Raufutterversorgung achten. Wird ein Pferd nicht besonders stark durch Sport körperlich gefordert, sorgen zu gut gemeinte Kraftfuttergaben schnell für eine Übersäuerung des Stoffwechsels. Aber auch Sportpferde können übersäuern aufgrund zu hoher Kraftfuttergaben und zu geringen Raufuttergaben.
Achten Sie daher unbedingt darauf, dass Ihr Pferd neben mindestens 1,5 kg Heu/100kg Lebendgewicht eine seiner Leistung angepasste Kraftfuttergabe erhält. Schrecken Sie nicht vor einer Rationsberechnung durch eine unabhängige Futterberatung zurück. Helfen Sie dem Organismus Ihres Pferdes vor und nach derWeidesaison mit einer Entgiftungskur, die Leber und Darm unterstützt.

4. Stall
Auch die Unterbringung Ihres Pferdes, kann Kotwasser begünstigen. Nehmen Sie also einmal ganz kritisch die Haltungsbedingungen Ihres Pferdes unter die Lupe: Wird regelmäßig gemistet? Wird die Wiese täglich abgeäppelt? Wie hoch ist der Wurmdruck? Wird regelmäßig entwurmt? Sind eventuell Resistenzen vorhanden? Nehmen Sie in diesem Fall eine Kotprobe und lassen Sie sie auf Würmer untersuchen.
Auch Stroh und Heu sollten möglichst unbelastet, schimmelfrei und von einwandfreier Qualität sein. Sind Sie sich nicht ganz sicher, können Sie für eine gewisse Zeit auch das Stroh in der Box z.B. durch Leinstroh (z.B. Ecoflax) und das Heu durch Heucobs ersetzen und so testen, ob sich die Verdauung Ihres Vierbeiners bessert.

5. Stress & Herde
Steht Ihr Pferd alleine in Boxenhaltung oder in einer Gruppe? Beides kann Auslöser für Stress sein. Versteht sich Ihr Pferd mit seinen Boxennachbarn oder Herdenmitgliedern? Ist es eher rangniedrig oder muss es ständig um seine ranghöhere Position fürchten und diese verteidigen? Wie verhält sich das Stallpersonal gegenüber den eingestellten Pferden? Können Sie Ihrem Pferd ausreichend Beschäftigung und Ansprache bieten? Haben Sie ein vertrauensvolles Verhältnis? Oder wie sieht es mit dem Training aus? Gibt es da häufig Missverständnisse? Wie hoch ist der Druck? All diese Komponenten können ausschlaggebend für die Wiederherstellung einer funktionierenden Darmflora sein.

6. Zähne
Wann war der Pferdezahnarzt zuletzt bei Ihrem Pferd?Alle 6-12 Monate sollten die Zähne Ihres Pferdes untersucht und gegebenenfalls begradigt werden. Pferdezähne wachsen, ähnlich wie dieZähne von Nagern, ständig nach. Dadurch können sich Haken bilden. Diese verhindern ein ordentliches Zerkleinern des Nahrungsbreis. Wurde dieser im Maul nicht ausreichend zerkleinert, kann sich das in Magen- und Dünndarmstörungen äußern. Neben Kotwasser kommt es dann häufig auch zu Nachgährungen und gefährlichen Aufgasungen.

7. Schecken
Kaum zu glauben, aber in einer Studie entdeckten Wissenschaftler, dass viele Pferde, die an Kotwasser leiden, Schecken sind. Woran es liegt, dass gerade die bunten Zeitgenossen Darmprobleme haben, konnte noch nicht geklärt werden.

 

IMG_5026

Anna findet heraus, dass Trixie grobstängeliges Heu nicht so gut verträgt. Deshalb achtet sie jetzt darauf, dass Trixie nur noch möglichst weiches und blattreiches Heu zu sich nimmt. Um das Kotwasser sofort zu stoppen nutzt Anna ein Produkt mit Lignocellulose und um den Darm wieder in Schwung zu bringen, füttert sie Trixie Bierhefe BT und Leinöl. Zusätzlich entgiftet sie ihr Pferd jetzt zweimal im Jahr mit einer Kräuterkur. Das tägliche Futter reichert sie mit bitterstoffhaltigen Kräutern wie Brennnessel oder Artischocke an, die die Enzymbildung fördern und Leber und Niere unterstützen. 

Trixie muss jetzt nicht mehr täglich gewaschen zu werden, ihr Schweif ist trocken und sie hat keine entzündete Haut mehr.